Ruhe… los…
Also, jetzt mal ganz ehrlich…
Geht Ihnen das nicht auch manchmal so?
Ich mein. Wollen sie nicht auch ab und zu einfach…
Mal Ruhe?
Also. Keine wirkliche Ruhe, also nicht im Sinne von Stille…
Sondern viel mehr…
Ja, wie soll ich es sagen…
Ruhe im Sinne von Abstand…
Distanz. Von den Alltagssorgen…
Einfach mal. Ausspannen. Ja Ausspannen…
Manchmal möchte man dann allein sein…
Nichts hören. Nichts sehen…
Aber eigentlich meine ich diese Art der Ruhe ja gar nicht…
Ich weiß, man könnte sich vor den Fernseher…
Oder Musik hören…
Aber ich suche ja eigentlich was anderes…
Eher diesen Abstand…
Zu meiner Welt…
Und meinen Sorgen…
Deshalb treffe ich mich mit Freunden…
Dort kann ich, in aller Ruhe, also nicht im Sinne von Stille…
Einfach mal…
Ruhen…
Ich habe da zwei. Mit denen geht das…
Wir treffen uns…
Quatschen…
Und lassen alles hinter uns…
Also die Sorgen…
Und die Ruhelosigkeit…
Dazu ein Bier…
Oder eine Apfelschorle…
Ein paar dutzend Zigaretten…
Meist im Park…
Dort ist es ruhig…
Also im Sinne von Stille…
Wir sind für uns…
Unter uns…
Und können in Ruhe…
Also Ruhe nicht als Stille…
Sondern eher Ruhe…
Ja Ruhe vom Alltäglichen…
Das hat eigentlich immer geklappt…
Wenn wir drei uns trafen…
Im Park…
Oder im Parkcafé…
Ja…
So auch letzte Woche…
Wie immer…
Dort…
Und doch…
Irgendwie war es anders…
Ich mein, ich hab lange drüber nachgedacht…
Wirklich…
Weil ich nicht genau wusste…
Ja, was denn jetzt so…
Anders war…
Ja, vielleicht war es eben nicht ruhig…
Also ruhig nicht im Sinne von Stille…
Sondern eher so…
Unruhig…
Unruhig, so aufwühlend…
Ja, aufwühlend…
Aber was brachte denn jetzt genau diese Ruhelosigkeit?
Ich mein, es war wie immer…
Er…
Sie…
Ich…
Wir wollten plauschen…
Und denn Alltag ruhen lassen…
Ich mein, klar…
Wir sind schon komisch…
Wir treffen uns ja nicht…
Um unsere Sorgen auszutauschen…
Denn dann wäre es ja vorbei mit der Ruhe…
Also nicht im Sinne von Stille…
Aber ich brauche das in Gesprächen mit Freunden eben nicht…
Diesen Alltag…
Diese Sorgen…
Ich mein, natürlich, wir haben all unsere Probleme…
Auch ich…
Ich studiere…
Ja, da gibt es genug Sorgen…
Richtig. Ich nehme zu viele Tabletten….
Stimmt…
Und ich trinke zu viel….
Korrekt…
Ich rauche…
Ja…
Und Mist, ich habe keine klare Berufsperspektive.
Aber müssen wir denn darüber sprechen?
An einem Abend…
An dem wir einfach nur mal unsere Ruhe haben möchten?
Ich denke…
Nicht…
Und über weltpolitische Themen sprechen…
Wozu?
Ich mein…
Die Welt können wir drei doch auch nicht retten, oder?
Warum dann also darüber sprechen?
Sehen Sie das anders?
Wahrscheinlich nicht…
Also…
Irgendwas war an dem Abend dann wohl doch anders…
Ich hab mich das lange gefragt…
Wirklich…
Und dann glaube ich…
Ja, ich glaube die Lösung gefunden zu haben…
Für das…
Was uns aus der Ruhe brachte…
Also nicht im Sinne von Stille…
Da war nämlich irgendwer…
Ja, so ein Jemand…
Der die ganze Zeit irgendwie dabei war…
Ich weiß auch nicht…
So ne vierte Person oder so…
Wo die jetzt genau herkam…
Ich weiß es nicht…
Wirklich…
Aber ist da so wichtig?
Sie war halt da…
Und vielleicht war es sie…
Ja sie…
Die uns aus der Ruhe brachte…
Also im Sinne von Stille…
Oder auch nicht…
Vielleicht auch im Bezug auf die sonstige Sorglosigkeit…
Durch Sie war dieser Mikrosorgenfreikosmos…
Also unser Kosmos…
Wohl irgendwie zerstört…
Ja…
Gestört…
Unterbrochen…
Durch Unruhe?
Ich weiß ja auch nicht…
So genau kann ich mich nicht erinnern…
Ich weiß nur, dass sie uns mit den Sorgen des Alltags konfrontierte…
Also, nicht mit diesen unwichtigen Themen…
Über die wir sonst sprachen…
Wir Freunde…
Wir drei…
Nee…
Sondern eben so wichtigen Kram…
Und wir konnten da irgendwie nicht mit umgehen…
Es war vorbei mit dieser Ruhe…
Ja, Ruhe im doppelten Sinne…
Er war also da…
Dieser Alltagsklotz…
An unserem Bein…
Durch diese ominöse Vierte…
Sie sprach und sprach…
In aller Unruhe…
Über diese Probleme…
Probleme…
Die uns alle betreffen…
Für die wir aber doch keine Lösung haben…
Und verzweifelt sind…
Wenn ich Ihnen das jetzt aber erzähle…
Dann können Sie vielleicht auch nicht mehr schlafen…
Weil Sie sich plagen…
Mit diesen Alltagssorgen…
Dieser Ruhelosigkeit…
Aber es muss ja raus…
Bin unruhig…
Wir wollten halt nur quatschen…
In aller Ruhe…
Also Ruhe hier nicht als Stille…
Und da erzählte sie uns all diese Dinge…
Die uns täglich begegnen…
Und wir nicht lösen können…
Ob das Bad besser mit Chlor oder klarem Wasser…
Ob bonprix wohl wieder eine neue Kollektion…
Ob das Pilze sammeln nicht als Sport bezeichnet werden…
Ob ein halbrohes Steak ein Scheidungsgrund…
Ich hatte keine Antwort…
Die anderen beiden auch nicht…
Wir saßen da…
Unruhig…
Und hörten zu…
Waren konfrontiert…
Mit den Sorgen…
Aber das schlimmste kommt ja noch…
Ganz vorbei war es dann…
Als ich diese ominöse vierte nach ihrem Namen fragte…
Und sie dann antwortete: Mein Name ist…
ALLTAG…
Nun bin ich auch bei euch angekommen…
Wir waren alle fertig…
Die Freunde und ich…
Wo kam sie her?
Warum traf der Alltag uns?
Wieso nahm sie uns unsere Ruhelosigkeit…
Im Sinne von Sorgenfreiheit…
Stille…
Wozu?
Wollten wir uns nicht einfach…
Meine Freunde und ich…
In Ruhe treffen?
Wie sehen die nächsten Treffen aus?
Wird Alltag auch wieder dabei sein?
Uns unsere Ruhe, also im Sinne von…
Stehlen?
Was will sie anrichten?
Werde ich mich jemals wieder in aller Ruhe mit meinen Freunden…
Treffen…
In Ruhe…
Treffen können?
Was meinen Sie?
Was sollen wir tun?
Er ist nun eingezogen…
In unseren Kreis…
Der Freunde…
Aus ist es…
Mit der Stille…
Der Sorglosigkeit…
Weil ein jemand da ist…
Ein jemand…
Namens…
Alltag…
Bei uns…
Kleinste Kleinigkeitensammlung
Wer sein zweites Ich noch nicht entlarven konnte, der sollte mal einen selbst geschriebenen Text auf ein Band sprechen. Spätestens dann weiß man, wer noch so in einem wohnt.
Oh mein Gott.
Lach und Heul.
Ich sollte doch besser wieder schreiben…
Wenn ich Zeit hab.
Gedankenstau und Druck im Kopf…
Aber der Anspruch.
Hilfe.
Kleinste Kleinigkeitensammlung
Gestern. Ich. Im Baumarkt. Da stand eine komische Frau. Ich lief an ihr vorbei. Dann hörte ich ein lautes „Ey, du da!“ Langsam drehte ich mich um, da stand sie und winkte mir mit einem Zaunpfahl. Seither laufe ich völlig verwirrt durch die Gegend. Was wollte Sie mir sagen? Ich finde es nicht heraus. Mir scheint als hätte ich ein Brett vor dem Kopf.
Ein…………………………….Ak
Ihr Leben könnte man in einem Akt darstellen. Wenn sie nur wollte. Mut hätte. Es zusammen zu fassen. Und das wiederkehrende Moment zu durchschauen. Dann wäre es alles so einfach. Und die Kriterien eines Einakters erfüllt. Nur will sie nicht. Möchte jede Episode ihres Lebens. In einem neuen Akt. Darstellen. Und so sieht es so. Viel aus. Unübersichtlich. Doch darin badet sie sich. In ihren. Episoden. Ein Akt. Wird zu Mehraktern. Mehr nicht. Weniger auch nicht. Ein abendfüllendes Programm. Sie übersättigt ihre Zuschauer. Lässt sie ermüden. Reizüberfluten. Weil man nicht weiß. Wo es losgeht. Wo es aufhört. Und so spielt sie ihre Akte. Nacheinander. Schickt die Zuschauer in die Pause. Lässt sie warten. Auf das Ende. Das keins sein wird. Denn es ist zu viel. Und das weiß sie. Kürzen ist des Dramaturgen liebste Tätigkeit. Auf eine Thematik. Einen Akt. Sie könnte es. Wenn sie wollte.
Sie will aber nicht. Und so spielt sie noch heute. Ausweglos. Ihre Akte.
…Tag aus…Tag ein…
CDU gibt (Schein)Studie heraus: Viren heilbar
Eins vergaß die CDU in ihrer Darstellung von Heilbarkeit der Homogrippe: Gegen Viren gibt es keine Medikamente. So bleiben sie bestehen. Pech für die Partei. Gut für eine aufgeklärte und individualisierte Gesellschaft
- wie die unsere es zu(m) s(ch)ein vorgibt -
Ausgehend von diesem Kenntnisstand ist also zu beachten, dass schnellstmöglich Sicherheitsvorkehrungen gegen die Schweinegrippe getroffen werden sollten, denn hier wären sie wirklich angebracht, (liebe) Christ(demokraten).
Und wir alle sollten gegen die Ausbreitung der Epidemie, die durch das Virus CDU21 ausgelöst wurde, kämpfen. Besser noch heute. Als morgen.
Stillstand
Als ihm die Luft ausging und sein Atem dem Jaulen eines Hundes glich, warf er die Ruder von Bord, sank in sich zusammen und weinte.
Er war sich sicher gewesen, dass all seine Mühen vergeblich waren und ihm fortan jegliche Kräfte fehlen würden, um sich dem Kampfe noch einmal hinzugeben.
Das Wasser um ihn herum rauschte heftig, in Schwallen brach es am Ufer.
Er vergoss ein Tränenmeer, doch aus der Ferne konnten keine Laute vernommen werden, sie verschwammen im Rausche der See.
„Dem Ende doch so nahe“, dachte er, als er immer noch resigniert und in sich zusammengesackt im Boote saß, die Augen verschlossen, Körper und Arme in sich verschränkt, mit sich vereint. Jetzt, wo er aufgegeben hatte, konnte es einen schnellen Weg aus dieser Welt geben. Er versuchte mit besonderer Schwermut ein letztes Lüftlein in sich aufzunehmen, bevor er zu sinken gedachte.
Als er wenig später mit großer Angstrengung die Augen öffnete, fand er sich voll Schrecken am Strande im Boote sitzend wieder, neben ihm ein paar wenige Hölzer, die einst Teil eines Ruders gewesen sein mussten.
„Brech ich denn niemals mehr zu neuen Ufern auf?“, fragte er sich, bevor er die Augen erneut schloss…
Kleinste Kleinigkeitensammlung
Dem Grunde nach vermoost und verwest.
Indizien für ein zu hohes Arbeitsaufkommen an der Uni … Fortsetzung folgt
1. Sie sprechen ihre Kommilitonen mit der Unikennung an und fühlen sich nur angesprochen, wenn jemand Ihre Matrikelnummer ruft.
2. Sie organisieren Ihr Leben in Modulen. Jeder Termin, der keinem der Modulpunkte zugeordnet werden kann, findet in Ihrem Kalender keinen Platz.
3. An Wochenenden laufen Sie hysterisch durch Ihre Wohnung und versuchen verzweifelt einen Raum zu finden, der bis zur Decke voll mit Menschen sein könnte.
4. Sie „buchen“ Veranstaltungen bei Freunden und Familienmitgliedern, gehen aber nur hin, wenn Sie eine Zulassung erhalten haben.
5. Sie werden nervös, weil Sie noch keinen Veranstaltungskalender für die Semesterferien planen und Termine „vormerken“ konnten.
6. Sie Fragen Ihre Freunde, welche Bedingungen man erfüllen muss, um bei Ihnen einen Teilnahme- oder Leistungsnachweis zu erwerben. Diese kündigen Ihnen die Freundschaft, weil Sie glauben, Sie würden eine schriftliche Bestätigung der emotionalen Bindung zu Ihnen benötigen.
7. Sie verwechseln Unialltag mit wichtigen Persönlichkeitsmerkmalen. So haben Sie dienstags von 8-10h KEIN ADS, im Anschluss daran aber, von 10-12h, psychische Störungen aller Art. Es folgt ein Kaffee und einige Pillen.
8. Sie antworten auf Schlagworte Ihrer Freunde mit dem Satz: „Einfache Suche oder Suche im Gesamtkatalog?“ und warten auf einen Bestätigungsklick, um den Vorgang zu starten.
9. Sie werden vom Wachpersonal der Uni gebeten, die örtlichen Obdachloseneinrichtungen zu besuchen und die Parkbank vor der U-Bibliothek zu verlassen.
10. Sie kommen zu allen privaten Veranstaltungen 15Minuten zu spät, weil Sie glauben, das Treffen würde c.t. beginnen.
11. Sie bitten Ihre Freunde um Fristverlängerungen und Aufschub der Mahngebühren, weil Sie Ihre Versprechen nicht bis 23.59h einlösen konnten.
12. Hinter jedem Ihrer Sätze sagen Sie: vgl. Person x, Jahr 2009, Seite… und zitieren auch Ihre eigenen Sätze wissenschaftlich korrekt.
13. Sie beginnen Konversationen mit den Sätzen: „In diesem Treffen möchte ich der Frage nachgehen, welche Bedeutung unsere Beziehung im gesellschaftlichen Kontext des 21.Jahrhunderts haben könnte. Dabei möchte ich besonders auf die individuellen Identitätsentwicklungen beider beteiligten Personen eingehen und mich wissenschaftlicher Forschungs- und Analysemethoden bedienen.“
14. Sie schöpfen die 700€-Studiengebühren vollständig aus und lassen sich einen Lastwagen voll Bücher zu Ihrer Wohnung bringen.
15. Sie kochen Trennkost und servieren jede Beilage in einem gesonderten Schälchen. Dann bitten Sie ihre Freunde zur Kasse.
16. Ihre letzten Worte vor dem Tode sind: „Meine Frist ist wohl abgelaufen. Kann ich das…. demnächst noch einmal probieren oder neu beginnen?“ Dann fallen Sie um.
17. Ihre Freunde lassen sich die Todesurkunde vom Modulbeauftragen „Tod in Wirklichkeit und Fiktion“ ausstellen.