Einfach anders…


Überflüssiges Gedankengut…

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Juni 21, 2009

„Bist du glücklich“, fragt seine Mutter, als er gerade seine Schneidezähne im Honigbutterbrot versenkt. Wie klebrig, denkt er sich. Fast schon zu süß, denkt er weiter, bevor sich ein abgebröckeltes Krümelchen dickköpfig und egoistisch die Luftröhre hinunter schlängelt.

Kräftiges Husten. Was sie dann sagt, als er sich „einzuhusten“ beginnt, weiß er nicht. Er versucht zu denken. Erwartet sie jetzt tatsächlich, hust-hust, das Husten unterbindet auch das Denken zeitweilig, dass er auf diese Frage zu antworten gedenkt?

Sie starrt ihn an. „Geht´s, mein Junge?“, hört er sie aus ihrem mit Leberwurst gefüllten Mund sagen.

Jetzt starrt er sie an. Hust-Hust.

„Warum sprichst du nicht, mein Junge? Bekommt dir das Honigvollkornbrot denn nicht?“

„Doch, ausgezeichnet, hust-hust, wirklich, Ma-Ma.“

„Dann sag schon, was ist los mit dir? Deine liebe Ma-Ma möchte doch nur wissen, ob mein Schnäuzelchen glücklich ist und das Essen ihm bekommt. Den Honig, den habe ich extra…“

Er beißt erneut in sein Honigbutterbrot. Ma-Ma hatte es reichlich bestrichen. Links und rechts, entlang seiner Mundwinkel, laufen zähe Honigstreifen herunter.

„Mein Junge. Ich bin so stolz auf dich. Du bist so großartig geworden. Komm her, mein Kind. Süß, du hast das was am Mündchen. Mein Sohn, bist du glücklich?“

„Mum, wie viel Honig willst du mir eigentlich noch ums Maul schmieren? Es ist klebrig. Zu klebrig.“

„Aber nicht doch, mein Kind. Wenn du das Brot nicht mehr magst, leg es doch einfach ab.“

Mit einem heftigen Schlag versenkt er das honigbeschmierte Brot auf dem Teller vor sich und verspürt plötzlich einen salzigen und zugleich eisenhaltigen Geschmack im hintersten Mundwinkel, gerade jetzt, wo Ma-Ma noch einmal kräftig in ihr, nun mit Marmelade bestrichenes Vollkornbrot beißt und undeutlich die Frage wiederholt: „Bist du… kau-kau… glücklisch?“

Er stößt ein letztes und befreiendes Hüsteln aus, bevor er vom Stuhle kippt und ihr das Butterbrot mit der Marmeladenseite zum Boden gerichtet aus der Hand gleitet.

Da liegen sie. Das Marmeladenbrot. Und er. Rot gefärbt sind sie.

Die Katze springt erschrocken vom Tische hinunter auf den Boden und landet gekonnt und sicher auf den vier Pfoten.

Schluss! Jetzt!

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