Einfach anders…


Ruhe… los…

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Juni 5, 2009

Also, jetzt mal ganz ehrlich…
Geht Ihnen das nicht auch manchmal so?
Ich mein. Wollen sie nicht auch ab und zu einfach…
Mal Ruhe?

Also. Keine wirkliche Ruhe, also nicht im Sinne von Stille…
Sondern viel mehr…
Ja, wie soll ich es sagen…
Ruhe im Sinne von Abstand…
Distanz. Von den Alltagssorgen…
Einfach mal. Ausspannen. Ja Ausspannen…

Manchmal möchte man dann allein sein…
Nichts hören. Nichts sehen…
Aber eigentlich meine ich diese Art der Ruhe ja gar nicht…

Ich weiß, man könnte sich vor den Fernseher…
Oder Musik hören…
Aber ich suche ja eigentlich was anderes…

Eher diesen Abstand…
Zu meiner Welt…
Und meinen Sorgen…

Deshalb treffe ich mich mit Freunden…
Dort kann ich, in aller Ruhe, also nicht im Sinne von Stille…
Einfach mal…
Ruhen…

Ich habe da zwei. Mit denen geht das…
Wir treffen uns…
Quatschen…
Und lassen alles hinter uns…
Also die Sorgen…
Und die Ruhelosigkeit…

Dazu ein Bier…
Oder eine Apfelschorle…
Ein paar dutzend Zigaretten…

Meist im Park…
Dort ist es ruhig…
Also im Sinne von Stille…

Wir sind für uns…
Unter uns…
Und können in Ruhe…
Also Ruhe nicht als Stille…
Sondern eher Ruhe…
Ja Ruhe vom Alltäglichen…

Das hat eigentlich immer geklappt…
Wenn wir drei uns trafen…
Im Park…
Oder im Parkcafé…

Ja…
So auch letzte Woche…
Wie immer…
Dort…

Und doch…
Irgendwie war es anders…

Ich mein, ich hab lange drüber nachgedacht…
Wirklich…
Weil ich nicht genau wusste…
Ja, was denn jetzt so…
Anders war…

Ja, vielleicht war es eben nicht ruhig…
Also ruhig nicht im Sinne von Stille…
Sondern eher so…
Unruhig…
Unruhig, so aufwühlend…
Ja, aufwühlend…

Aber was brachte denn jetzt genau diese Ruhelosigkeit?
Ich mein, es war wie immer…
Er…
Sie…
Ich…

Wir wollten plauschen…
Und denn Alltag ruhen lassen…

Ich mein, klar…
Wir sind schon komisch…
Wir treffen uns ja nicht…
Um unsere Sorgen auszutauschen…
Denn dann wäre es ja vorbei mit der Ruhe…
Also nicht im Sinne von Stille…

Aber ich brauche das in Gesprächen mit Freunden eben nicht…
Diesen Alltag…
Diese Sorgen…

Ich mein, natürlich, wir haben all unsere Probleme…
Auch ich…
Ich studiere…
Ja, da gibt es genug Sorgen…
Richtig. Ich nehme zu viele Tabletten….
Stimmt…
Und ich trinke zu viel….
Korrekt…
Ich rauche…
Ja…
Und Mist, ich habe keine klare Berufsperspektive.

Aber müssen wir denn darüber sprechen?
An einem Abend…
An dem wir einfach nur mal unsere Ruhe haben möchten?

Ich denke…
Nicht…

Und über weltpolitische Themen sprechen…
Wozu?
Ich mein…
Die Welt können wir drei doch auch nicht retten, oder?
Warum dann also darüber sprechen?
Sehen Sie das anders?
Wahrscheinlich nicht…

Also…
Irgendwas war an dem Abend dann wohl doch anders…
Ich hab mich das lange gefragt…
Wirklich…

Und dann glaube ich…
Ja, ich glaube die Lösung gefunden zu haben…
Für das…
Was uns aus der Ruhe brachte…
Also nicht im Sinne von Stille…

Da war nämlich irgendwer…
Ja, so ein Jemand…
Der die ganze Zeit irgendwie dabei war…
Ich weiß auch nicht…
So ne vierte Person oder so…

Wo die jetzt genau herkam…
Ich weiß es nicht…
Wirklich…
Aber ist da so wichtig?

Sie war halt da…
Und vielleicht war es sie…
Ja sie…
Die uns aus der Ruhe brachte…
Also im Sinne von Stille…
Oder auch nicht…
Vielleicht auch im Bezug auf die sonstige Sorglosigkeit…
Durch Sie war dieser Mikrosorgenfreikosmos…
Also unser Kosmos…
Wohl irgendwie zerstört…
Ja…
Gestört…
Unterbrochen…
Durch Unruhe?

Ich weiß ja auch nicht…
So genau kann ich mich nicht erinnern…

Ich weiß nur, dass sie uns mit den Sorgen des Alltags konfrontierte…
Also, nicht mit diesen unwichtigen Themen…
Über die wir sonst sprachen…
Wir Freunde…
Wir drei…
Nee…
Sondern eben so wichtigen Kram…

Und wir konnten da irgendwie nicht mit umgehen…
Es war vorbei mit dieser Ruhe…
Ja, Ruhe im doppelten Sinne…
Er war also da…
Dieser Alltagsklotz…
An unserem Bein…

Durch diese ominöse Vierte…
Sie sprach und sprach…
In aller Unruhe…
Über diese Probleme…
Probleme…
Die uns alle betreffen…
Für die wir aber doch keine Lösung haben…
Und verzweifelt sind…

Wenn ich Ihnen das jetzt aber erzähle…
Dann können Sie vielleicht auch nicht mehr schlafen…
Weil Sie sich plagen…
Mit diesen Alltagssorgen…
Dieser Ruhelosigkeit…

Aber es muss ja raus…
Bin unruhig…

Wir wollten halt nur quatschen…
In aller Ruhe…
Also Ruhe hier nicht als Stille…
Und da erzählte sie uns all diese Dinge…
Die uns täglich begegnen…
Und wir nicht lösen können…
Ob das Bad besser mit Chlor oder klarem Wasser…
Ob bonprix wohl wieder eine neue Kollektion…
Ob das Pilze sammeln nicht als Sport bezeichnet werden…
Ob ein halbrohes Steak ein Scheidungsgrund…

Ich hatte keine Antwort…
Die anderen beiden auch nicht…
Wir saßen da…
Unruhig…
Und hörten zu…
Waren konfrontiert…
Mit den Sorgen…

Aber das schlimmste kommt ja noch…
Ganz vorbei war es dann…
Als ich diese ominöse vierte nach ihrem Namen fragte…
Und sie dann antwortete: Mein Name ist…
ALLTAG…
Nun bin ich auch bei euch angekommen…

Wir waren alle fertig…
Die Freunde und ich…
Wo kam sie her?
Warum traf der Alltag uns?
Wieso nahm sie uns unsere Ruhelosigkeit…
Im Sinne von Sorgenfreiheit…
Stille…
Wozu?

Wollten wir uns nicht einfach…
Meine Freunde und ich…
In Ruhe treffen?

Wie sehen die nächsten Treffen aus?
Wird Alltag auch wieder dabei sein?
Uns unsere Ruhe, also im Sinne von…
Stehlen?

Was will sie anrichten?

Werde ich mich jemals wieder in aller Ruhe mit meinen Freunden…
Treffen…
In Ruhe…
Treffen können?

Was meinen Sie?
Was sollen wir tun?

Er ist nun eingezogen…
In unseren Kreis…
Der Freunde…
Aus ist es…
Mit der Stille…
Der Sorglosigkeit…
Weil ein jemand da ist…
Ein jemand…
Namens…

Alltag…
Bei uns…

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