Kein Plan…
Sie liegen da. Er auf der großen Couch, über ihm einige Bilder. Sie auf der Kleinen, direkt unter dem Fenster. Er fragt sie, wie es weitergehen soll, mit ihnen, mit ihr. Er traut sich sogar zu fragen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, welche Wünsche sie hat. Doch sie zieht sich in diesem Moment die gelbfarbene Decke über den Kopf, wendet sich zur Seite und antwortet leise: „Kein Plan………………………….Hase.“
Sie liegen da. Sie auf der großen Couch, über ihr einige Bilder. Er auf der Kleinen, direkt unter dem Fenster. Sie fragt ihn leise, doch mit einer gewissen Bestimmtheit: „Was ist los? Alles gut?“ Dabei schaut sie ernst. In dieser Sekunde stülpt er die froschgrünfarbene Decke über sein Haupt, wendet sich zum Fenster ab und sagt: „Ach, ich weiß auch nicht……………………………… Hase.“ Sie grinst.
Sie liegen da. In ihrem gemeinsamen Wohnzimmer. Vor ihnen leere Wein- und Bierflaschen, im Hintergrund eine leise, piepsige Stimme, die gerade die Worte „Wie krieg ich die Zeit wohl rum, die Zeit, bis zu meiner Beerdigung“ summt. Und Schweigen.
Es schellt. Sie hatten es vergessen. Den Besuch. Das Treffen. Keiner der Beiden rührt sich. Sie stellen sich tot.
Es klingelt erneut. Keine Regung. Dann entfernen sie die farbigen Decken aus ihren Gesichtern und springen auf.
Es schellt zum dritten Male. Ein müdes Lächeln in ihren Gesichtern. Er geht links aus dem Zimmer heraus, sie rechts herum.
Sie treffen sich im Flur wieder, watscheln zur Türe hinunter und bedienen den Druckknopf. Einer der Beiden.
Schweigend stehen sie im Vorraum ihrer Wohnung, die sie vor wenigen Wochen erst bezogen.
Dann steht er vor ihnen. Der Besuch.“ Hallo, Schätzeleins, na wie geht’s?“
Sie schauen sich an, er sie, sie ihn, ein Atemzug, dann ein lautes, synchrones „ach, kein Plan.“
Alle lachen.
Der Besuch schließt die Türe hinter sich. Gemeinsam bewegen sie sich ins Wohnzimmer zurück. Er geht links herum, sie stapft durch ihr Zimmer. Der Gast bleibt im Flur zurück und fragt: „Durch welches Zimmer darf ich gehen?“ Keiner antwortet. Plötzlich steht er im Raum, der Besuch. Von wo er kam, kein Plan.
Sie alle setzen sich. Er nimmt auf der großen Couch Platz, über ihm einige Bilder, neben ihm der Eindringling, sie auf der Kleinen Garnitur, direkt unter dem Fenster. Schweigen. Dann die Frage: „Wat, wat is denn hier los.“ Ein lautes Lachen.
Er greift zur gelbfarbenen Decke und schaut zum Gast hinüber, während sie gerade mit einem gekonnten Griff die froschgrünfarbene Decke ergreift.
Vor ihnen auf dem Tisch die leeren Wein- und Bierflaschen.
Jetzt sitzen sie da. Er und sie und der Besuch, im gemeinsamen Wohnzimmer. Und sprechen über sie und ihn, ihre Planlosigkeiten. Während sie alle kräftige Schlucke aus den Gläsern vor ihnen nehmen. Kein Plan, wo das hinführen soll.
Kleinste Kleinigkeitensammlung
Ich werde mir morgen einen Abreißkalender kaufen, dann kann ich wenigstens täglich sehen, wie die Zeit verinnt.
Kleinste Kleinigkeitensammlung
„´Schuldigung, können Sie mir vielleicht kurz einen Korb geben?Bitte.“
Eine Szene machen
Sonntag Morgen, 17.10h. Es klingelt das Telefon. Mutti hat angerufen. Man trifft sich im Wohnzimmer, sie kommt von links, er von rechts. Sie stehen mitten im Raum, schauen sich an und brüllen laut: „Auf Drei! 3,2,1. Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Mutti, du hast MICH angerufen.“ Dann rennen sie im Kreis. Bis einer anhält. Sie schmeißen sich auf die Couch. Ein Gespräch beginnt.
Martin(schmollmundig): Ähm, Hase, wir wohnen jetzt schon sooo lange zusammen und irgendwie wird es so langsam langweilig hier in der Bude. Hast du nen Plan, wie wir die Wände zum Wackeln bringen können?
Jutta(ungläubig und verwirrt): Ach…Plan?!? Ähm, ich jetzt? Ja also…wir könnten… Naja, also….och ich weiß auch nicht!
Martin(auffordernd): Jutta, bitte. Jetzt ruh dich mal nicht aus und lasse deine grauen Zellen mal arbeiten, und komm mir jetzt nicht mit dem Altersquatsch, schließlich bist du die Ältere und Erfahrenere von uns und weißt, wie der Hase läuft…
Jutta: Martin?!? Ja klar bin ich natürlich älter und weiser, erfahrener und einfach besser drauf….na gut, und da du ja schließlich nächste Woche Geburtstag hast, kann ich dich auch mal so langsam in die Weisheiten über gepflegtes Feiern und Kühe auf Partys fliegen lassen, einweihen, HASE!
Martin(sauer, weil sie ihn an seinen Geburtstag erinnert): Oh ja, mit welcher Lektion fangen wir denn an? Lektion I: Grundlagen des Otzesaufens, oder vielleicht Lektion II: Einführung in die Gerontopsychiatrie oder doch eher Lektion III: Projekt Menschenmasse: Wie viele Leute passen in eine 65Quadratmeterwohnung? So Herzblatt, nun musst du dich entscheiden.
Jutta: HA! Ja natürlich alle Drei zusammen! Aber wir wollen ja mal klein anfangen, sonst überfordern wir den kleinen „Nachbarn“ natürlich. Aber ein kleines Potpourri aus diesen Disziplinen wird es wohl geben. Ich bin da schon was am Planen dran. So mit Musik und Tanz und so…Was meinst du? Kriegen wir das hin? Also, so dass die eigentlichen Nachbarn mal wieder um 4.35 Uhr anschellen und mitmachen wollen? Na Lust? Einwände? Kritik?
Martin: Ach ja, kein Plan. Weiß nicht. Also. Glaube, das ist ´nen guter Plan. Mach so wie du meinst und so. Dein Nachbar ist also dabei. („Das ja wieder typisch!“, denkt Sie.)Wann willst du den Spaß denn machen? Und vor allem, denk dran, nachts kriegt der Pflanzenfresser Hunger und so, ne… Eine Frage noch: Ich weiß ja nicht, wie es bei dir so auf dem Konto aussieht, aber wenn es nach mir geht, dann gibt es nur Bierpfützen aus gesammelten Pfandflaschen vom REWE-Laden um die Ecke… Otze und so… Also, wo dann die nötigen Flaschen herkriegen? Ja, also, dann plan du mal. Biste ja groß drin und so. Ich geh eine rauchen.
Er verlässt den Raum, verschwindet in seinem Zimmer, rechts raus, raucht hastig eine Zigarette und kommt zurück, im Hintergrund hört man leise wimmernd …
Jutta: Martin?….Maaaaaaaaaaaaaaartin?…Wo ist es denn?…Tstststststs…
2 Minuten später. Er kehrt zurück, von rechts. Eine Rauchwolke steigt im Wohnzimmer auf.
Jutta (gefühlvoll wie immer): Ahhhhhhhhhhh, da bisse ja wieder. (Sie denkt, Alter, du stinkst.) Also: Ich weiß, meine Gästeliste reicht von „A“ wie Alex bis „Y“ wie Yvonne. Okay nur mein Freund „Alltag“ bleibt dann mal wech….Und was die Liquidität auf meinem Konto angeht…hmmm, tja, puuuhh, (räusper)…Sagen wir mal so, selbst dafür hab ich, wie immer eine genialen Plan: Alle bringen außer sich selbst natürlich noch was mit! Also am besten Alc und so, das geht bekanntlich immer am schnellsten und besten weg. (Er denkt, klar, bei Alc hat sie immer nen Plan!)
Also Lektion 1: Leute einladen, so viel wie geht.
Lektion 2: Getränke organisieren, ohne größeres finanzielles Chaos auf seinem Konto zu verursachen.
Lektion 3: … Na?
Martin(innerlich gereizt, nach außen ruhig wirkend, denkt er, jetzt muss ich ja wieder was sagen) : Jutta, jetzt quatsch doch nicht so dumm rum und verlass mal die Mitleidsschiene. Das ganze Psychogelaber stört doch die Qualität unseres Dialogs. Machen wir es doch mal germanistisch und so. Schließlich hab ich doch längst JA gesagt. Also, Jutta. Ran an den Plan. Einladung mit folgenden formalen Vorgaben:
Was, wann, wo, und vor allem, wer und sonstigen wichtigen Angaben. Quellenverzeichnis nicht vergessen und fertig ist der Braten (Mit oder ohne Kruste ist doch egal, die Kruste wird eh überbewertet, denkt er). Deine Idee, dein Plan, dein und so(Aus der Nummer bin ich raus). Und der ganze Rest und überhaupt. Quatsch nicht, mach. (Er zuckt zusammen, so was Geordnetes hat er aus seinem eigenen Munde noch nie gehört! Gruuuuuuuuuuuuuusel)
Jutta(leicht gereizt, in die Decke beißend): Martin!!!!!!!!!!! Du machst mich wahnsinnig! Das kann doch wohl nicht so schwer sein. Hab ich mich etwa unklar ausgedrückt und so? Also ehrlich. Echt jetzt. Es hackt. Ganz einfach: Bottle-Party. 20.30 Uhr. xx.xx.200x! So! Da sag ich „Ja“!
Martin: Geht doch, Hase. Warum so einfach wenn es auch kompliziert geht(oder andersrum, wie auch immer). Aber schön, dass wir mal drüber „gesprochen“ haben. Locker bleiben und auf sich zukommen lassen. Verstanden, Jutta? Und wenn wat is, rufse an, ne? Hast ja meine Nummer, erreichst mich auf meiner Home-Zone in meinem Zimmer. (Kurze Erläuterung: Man telefoniert des Öfteren von der Küche aus in das ein oder andere Zimmer per Handy-Flat!)
Jutta(leicht verwirrt und hat wie immer nur halb zugehört…Zuhören tut sie ihm eigentlich schon lang nicht mehr.): Wen ich anrufe? Mutti natürlich! Und du?
Martin: Ne, Mutti (aggressiver Unterton) lässt du mal schön Zuhause. Die braucht hier nun wirklich keiner. Wir sind nun alt genug, das schaffen wir allein. So. Ach, herrlich Gerda. Ich freu mich.
Jutta(euphorisch): Oh ja, das wird ein Traum! Ehrlich jetzt. Und dann machen wir Musik, da geht dir der Hut hoch. (Fängt an botanisch zu tanzen.) Und ein bisschen was zu essen machen wir auch. Ja auch ein wenig Salat für den Vegetarier-Hasen! Aber alles ganz unkompliziert. Soll ja hauptsächlich Spaß machen und nicht in Stress ausarten. Und vielleicht meldet sich der eine oder andere und will was beisteuern oder so…was meinste? Machbar? Läuft! Haben ja schon angefangen. Und außerdem…
Martin(tablettenrunterspülend und zurücklehnend): Komm mal runter, mach dir nicht so viele Gedanken. Kein Grund zur Panik. Hase, ik freu mir. Endlich ist mal wieder was los in der Bude.
Sie verabschieden sich. Gehen in ihre Zimmer. Schließen die Türen hinter sich.
Und treffen sich zufällig im Flur wieder.
Ein Gespräch beginnt…
Kleinste Kleinigkeitensammlung
Erzählen ist wie Erbrechen, es kommt schubweise und ist unkontrollierbar.
Kleinste Kleinigkeitensammlung
Ereignisse überschlagen sich… Worte und Satzfragmente sind verworren. In meinem Kopf. Ich versuche sie zu erbrechen. Doch dazu fehlt mir die Zeit.
An 3 Texten gleichzeitig schreiben, mit keinem dieser zufrieden sein. Ideen verwerfen.
Gleichzeitig auf Hochzeiten tanzen.
Das ist meine Welt.
Und aus Kleinigkeiten werden unüberwindbare Hürden.
An die Arbeit… Reflexion des Schreibens
Wann ist etwas eine Erzählung? Braucht eine Erzählung einen Plot? Wenn es denn dann eine Erzählung ist, wann ist sie gut? Wann kann man von einer schlechten Erzählung sprechen? Wenn ein Werk vorgibt eine Erzählung zu sein und letztlich doch keine ist, ist der Text dann automatisch schlecht? Und ist ein Text dann gut, wenn er die Kriterien einer Erzählung erfüllt? Was machen gute Erzählungen aus?
Wie wichtig ist Sprache in Erzählungen? Kann eine Erzählung ohne Protagonisten und Plot auskommen, nur weil sie sich der Sprache bedient? Führt Sprache automatisch zu einer Erzählung? Oder wird durch Sprache nur etwas erzählt, was nicht als Erzählung verstanden werden kann? Gibt es Unterschiede zwischen Erzählen und Erzählung?
Für wen schreibe ich Erzählungen? Schreibe ich sie adressatenorientiert oder schreibe ich sie für mich? Was bedeutet eigentlich adressatenorientieres Schreibent? Sprechen bestimmte Typen von Erzählungen nur gewisse Adressaten an und schließen sie andere somit automatisch aus? Wie erreiche ich meine Adressaten?
Und welche Rolle spielen formale Vorgaben in Erzählungen? Gibt es gute und schlechte Formen? Woran lassen sich diese messen? Gebe ich meinen Schreib- und Sprachstil nicht durch formal-ästhetische Vorgaben bewusst auf? Wäre eine Erzählung eine schlechte Erzählung, nur weil sie sich dem gängigen Sprach- und Schreibstil nicht anpasst?
Wozu führt die Reflexion des Schreibens?
Bei mir zu einer Überarbeitung meines heute verfassten Textes. (Weiß der Himmel ob es eine Erzählung ist und ob sie gut oder schlecht ist.Veröffentlichung deshalb später. Arbeitstitel: Stecknadel)