Kleinste Kleinigkeitensammlung …
Guten Tag,
eine gemischte Tüte bitte.
Ich hätte gern etwas von der Nummer 3, ist doch das mit Schlaf und so, junge Frau, oder?
Von der Nummer 14, sind doch Kopfschmerztabletten drin, oder nicht?
Von der Nummer 29, ist doch mit Alkohol, stimmt´s? Davon besonders viele Kügelchen.
Von der Nummer 1354634544 hätte ich gerne auch etwas. War irgendwas mit Struktur und so.
Und von der Nummer sechs, was war das noch gleich? Ich komme gleich drauf.
Packen Sie es bitte doppelt ein. Ich möchte das alles heil nach Hause bekommen. Mein Mann hat es nötig.
Ach, geben Sie mir das ganze Paket doch in doppelter Ausführung. Ich kenne da noch einen… Ach, das geht Sie gar nichts an. Machen Sie einfach.
Schöne Apotheke haben Sie hier.
Kleinste Kleinigkeitensammlung …
Einen Eimer Zigaretten bitte, zum hier rauchen.
Danke.
Ermittlungen im Fall 1453
Großbrand in einem Mehrfamilienhaus
Am 24.01.2009 gegen 19.23h mitteleuropäischer Zeit auf der Brandstraße 14 ein Feuer aus. Auslöser war eine brennende Kaffeemaschine. Die Beamten schließen Selbstmord nicht aus.
Die Feuerwehr bekam die Flammen nicht mehr unter Kontrolle und ließ das Haus völlig abbrennen. Es starben fünf Gegenstände, drei konnten bewusstlos gerettet werden und befinden sich derweil immer noch im Koma. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft der kleinen Großstadt gegen zwei Verdächtige und mögliche Mittäter.
Insgesamt ist mit einem Schaden von 530.000€ zu rechnen.
Pressemitteilung (Originalton):
Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Pressekonferenz im Falle SOKO 1453. Wir wollen Sie heute über unsere derzeitigen Untersuchungsergebnisse informieren.
Zunächst sehen wir es als erwiesen an, dass der Verursacher des Brandes eine weiße Kaffeemaschine der Marke AEG, Baujahr 1987 war.
Am 24.01.2009, gegen 19.23h unserer Zeit, brachen die ersten Flammen auf der Brandstraße 14 aus. Es sind 5 Tote und drei Schwerverletzte zu verzeichnen. Der Schaden beläuft sich auf eine Summe von ca. 530.000€.
Wir nahmen schnellstmöglich Befragungen einzelner Betroffener auf. Die Ermittlungen geraten zurzeit ins Stocken, da sich die Gesundheitszustände einzelner Beteiligter deutlich verschlechterten.
Ich trage im Folgenden einzelne Ergebnisse unserer Untersuchungen vor.
Die Spülmaschine gab an, gegen 19.34h eine Rauchentwicklung gespürt zu haben. Da sie sich im Off-Betrieb befand, war es ihr nicht möglich, in die Situation einzugreifen.
Die Waschmaschine gibt zu Protokoll, sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs im Schleudergang befunden und weder Rauchschwaden noch sonstige Beeinträchtigungen bemerkt zu haben. Nach Beendigung ihrer Tätigkeit nahm sie die Außergewöhnlichkeiten im Erdgeschoss des Hauses wahr und versuchte Kontakt zum Telefon aufzunehmen, das bis dato am Geschehnis nicht beteiligt schien. Nach mehreren, gescheiterten Versuchen ergriff die Waschmaschine, laut Aussage, die Eigeninitiative und öffnete ihre Türe, um Wasser aus dem Inneren herausströmen zu lassen. Aus der Küche der Wohnung, an jenem Ort, an dem sich auch die Brandursache befand, waren wohl keinerlei Geräusche zu hören. Die Waschmaschine gibt weiterhin zu Protokoll, dass sie in der Situation aus dem Affekt heraus reagierte und dabei vergaß, dass das aus ihr herausströmende Wasser zu diesem Zeitpunkt auf eine Temperatur von 90Grad erhitzt war, da sich in ihr Kochwäsche befand. Dieses unüberlegte Handeln führte, laut unseren Ermittlungen, zu einer Steigerung der Rauchentwicklung und einer Ausbreitung des Feuers bis ins Badezimmer. Wenige Sekunden später, so die Waschmaschine, verlor sie ihr Bewusstsein.
Die Spülmaschine war zum gleichen Zeitpunkt in der Nähe des Brandherds noch bei vollem Bewusstsein und meldete der Kriminalpolizei, dass sie Todesangst verspürte, weil sich das Feuer immer weiter ausbreitete. Sie gab zu Protokoll, Feuerentwicklungen in der Küche und im Bad gesehen zu haben, die sich langsam aber doch stetig bis ins Wohnzimmer hinein erschreckten.
Gegen 19.35h ging, laut Aussage der Feuerwehr, ein anonymer Anruf ein, der einen Brand im Wohnhaus der Brandstraße meldete. Wenige Minuten später trafen die Beamten ein und fanden einen flächendeckenden Brand im Erdgeschoss des Wohnhauses vor. Die Waschmaschine, die Spülmaschine und der Backofen konnten wenige Minuten später bewusstlos, jedoch lebend, aus den Flammen geborgen werden. Der Backofen befindet sich seither im Koma. Waschmaschine und Spülmaschine mussten derweil ins künstliche Koma versetzt werden, da sich der Gesundheitszustand beider dramatisch verschlechterte. Diese Phase dauert bis heute an. Ob und wann sie wieder vernehmungsfähig seien werden, ist zurzeit noch unklar.
Festzuhalten ist auch, dass die Kaffeemaschine, der Fernseher, das Telefon, die Spüle und der Kühlschrank nicht mehr gerettet werden konnten und noch an der Unfallstelle verstarben. Der Toaster, der sich in unmittelbarer Nähe des Brandherdes Kaffeemaschine befand, konnte unversehrt aus den Flammen gerettet werden. Bei einer Befragung hingegen verweigerte er jegliche Aussage. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seither wegen Beihilfe zur Brandstiftung und hält ihn in Untersuchungshaft.
Erste Obduktionsergebnisse der Kaffeemaschine gaben Hinweise auf einen möglichen Suizid. Die Motive einer solchen Tat sind vorerst jedoch unklar und nicht erwiesen, die genauen Untersuchungen der Gegebenheiten noch nicht abgeschlossen. Wir unterlassen deshalb weitere Schilderungen.
Die Staatsanwaltschaft erwägt auch mögliche Ermittlungen gegen die Waschmaschine, da eine Mithilfe ihrerseits bei der Brandentwicklung nicht ausgeschlossen werden kann.
Unsere Untersuchungen lassen letztendlich einige wichtige Fragen ungeklärt:
Kann von einem Unfall oder von einer fahrlässigen Tötung durch die Kaffeemaschine gesprochen werden? Wenn es ein Selbstmord war, welche Motive gab es? Unterstützten Waschmaschine und Toaster die Kaffeemaschine bei ihrem Vorhaben? Warum griffen die Spüle und der Kühlschrank, die sich während der Brandentwicklung in der Küche aufhielten, nicht in das Geschehen ein? Welche Rolle spielten Fernseher und Telefon im Geschehen? Warum breiteten sich die Flammen so schnell aus?
Unsere intensiven Ermittlungen werden fortgesetzt. Wir hoffen auf eine baldige Aufklärung im Fall 1453 und werden Sie selbstverständlich über weitere Entwicklungen und Fortschritte auf dem Laufenden halten.
Zunächst vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, meine Damen und Herren.
Du
Du trittst in den Raum. In mein Leben. Ungefragt. Kommst. Und bist da. Du stellst dich nicht vor. Das hast du nicht nötig. Du kommst. Einfach so.
Verängstigt sitze ich in der kleinen Ecke hinten links. Mein Blick ist zunächst auf ein leeres Blatt Papier gerichtet. Und dann sehe ich dich. Wie du die Tür hereinkommst. Ein stolzer Blick. Eine aufrechte Körperhaltung. Du hast eine Tasche in der Hand. Du betrittst den Raum und scheinst ihn fortan auszufüllen. Ich kann den Blick nicht von dir abwenden. Starre dich an. Dein zielgerichteter Gang. Deine Präsenz. Was ist es, das mich zwingt aufzuschauen?
Ich zittere nervös. Mein Stift in der linken Hand vibriert. Neben mir ist ein Platz frei. Ich sehe es aus den Augenwinkeln, so sehr ich auch versuche, auf das vor mir liegende Blatt Papier zu schauen. Ich blicke dich an. Und den freien Platz neben mir. Ich will, dass du dich neben mich setzt. Spüre es. Und zugleich will ich, dass du schnell wieder verschwindest. Aus meinem Blickfeld. Diesem Raum. Du läufst schnellen Schrittes und kommst der Ecke, in der ich verweile und zittere, immer näher. Starre auf das Blatt, starre auf das Blatt, schau ihn nicht an. Sag ich mir selbst. Setz dich neben mich, bitte. Verschwinde aus meinem Blickfeld, sofort. Spreche ich weiter zu mir. Nur noch wenige Schritte trennen dich und meinem Platz in der hintersten Ecke voneinander. Du scheinst ein klares Ziel vor Augen zu haben. So wie du gehst. Wie du schaust. Meine Beine fangen an zu zittern. Mein Körper vibriert. Mir wird warm. Ich versuche zu schlucken. Doch nichts geht mehr. Bin ich der Einzige in diesem Raum, der dich anstarrt? Für einen kurzen Moment versuche ich die anderen Menschen um mich herum wahrzunehmen doch binnen weniger Millisekunden landet mein Blick schlussendlich wieder bei dir. Deine Statue nimmt Form an. Du bist groß, schlank. Trägst einen Mantel. Und hast eine Tasche bei dir. Setz dich endlich hierher. Verschwinde. Sofort.
Ich starre auf das Blatt Papier. Es ist nicht mehr weiß. Schwarze Kugelstiftkreise, die über den Zettel hinausreichen. Wie kommen sie dahin? Für einen Moment versuche ich… Keine Zeit. Ich lege beide Arme auf den Tisch und versuche das Kunstwerk zu verstecken. Vor dir. Denn du bist gleich angekommen. So scheint es. An deinem Ziel. Denn du wusstest schon beim Eintritt in diesen Raum, wo du gerne hin möchtest. Und dieser Ort scheint in meiner unmittelbaren Nähe zu sein. Vielleicht drei Schritte, dann stehst du hinter mir. Starre auf das Blatt. Höre auf mit den Beinen zu wackeln. Schau nicht auf. Keinesfalls.
Dann bleibst du stehen. Kurz vor meinem Tisch. Es trennen uns wenige Zentimeter. Nicht hinsehen. Verschwinde. Komm näher. Setz dich. Geh wieder.
Du stellst deine Tasche auf den Tisch. Ich sehe es aus den Augenwinkeln. Vor mir ein zerkritzeltes Blatt. Du ziehst deine Jacke aus. Legst sie auf die Tasche. Ich habe die Arme ineinander verschränkt. Die Zeichnung abdeckend.
Du nimmst den Stuhl neben mir. Ziehst ihn nach hinten zurück. Vom Tisch weg. Gehst ein Stück nach vorn. Streckst dich noch einmal. Und dann lässt du dich…. fallen.
Du sitzt auf dem Stuhl, rückst mit ihm nach vorn. Um deine Tasche zu erreichen und starrst nach vorn. Dann drehst du dich um und sagst zu mir, ich solle vom Boden aufstehen. Ob ich mir wehgetan hätte und ob er helfen könne. Ich öffne den Mund und versuche etwas zu sagen. Du Arsch, verschwinde. Hau ab. Schön dich kennen zu lernen. Wie heißt du? Klar kannst du mir helfen! Sollen wir beide nicht. Ich will dich nicht mehr sehen. Verlasse den Raum. Geh und komm nie zurück.
Ich schweige. Du drehst dich noch einmal um. Lachst mich an. Ich stehe auf. Und setze mich. Schöne Zeichnung kannst du noch sagen, bevor die Veranstaltung beginnt. Ich zerreiße das Blatt Papier. Und starre auf den Tisch. Schau dich nicht an. Jetzt nicht. Ich blicke nicht auf. Die ganze Zeit nicht.
Dann ist es zu Ende. Du stehst auf und gehst. Einfach. Nimmst deine Sachen und gehst. Ohne Worte. Ohne Reaktion. So wie du gekommen bist. Mit diesem stolzen Blick. Diesem aufrechten Gang. Dieser Zielorientierung. Heraus aus dem Raum. Ich schaue dir hinterher. Ich kann alles im Augenwinkel erkennen. Du bist fort. Ich sitze da. Komm zurück. Sofort. Du kannst doch nicht einfach. Ich will dich nie wieder sehen. Nie wieder missen, dich zu sehen. Du.
In der nächsten Woche kommst du erneut. In den Raum. In mein Leben. Ungefragt. Kommst. Und bist da. Du stellst dich nicht vor. Das hast du nicht nötig. Du kommst. Einfach so.
Kleinste Kleinigkeitensammlung …
Ich wolle nie erwachsen sein, sagte ich, als ich noch klein war. Ihr habt es ignoriert. Jetzt seht ihr ja, wohin euch eure Ignoranz gebracht hat.
Er, Sie und ihre Fragen
Als sie ihn fragte, ob sie zusammenarbeiten wollen, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob sie sich in der Cafeteria treffen könnten, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob er einen Kaffee möge, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob er sie verstehen könne, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob sie etwas über ihn erfahren könne, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob er sie mögen würde, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob sie sich mal privat treffen sollten, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob er ihr Freund werden möchte, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob sie ihm helfen könne, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob sie ihm vertrauen könne, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob er ihre Eltern kennen lernen möchte, sagte er JA. Als sie ihn fragte, ob er mit ihr in eine WG ziehen wolle, sagte er JA. Als er sie fragte, ob sie etwas anderes könne außer fragen, schwieg sie.
Kleinste Kleinigkeitensammlung …
Erste Wegbegleiter im neuen Jahr: Annett Louisan: Drück die 1. Wise Guys: Das Allerletzte. Ob sie bis zum Ende bleiben? Und zu meinen Jahresdauerbrenner werden?
Spiegelbilder
Wir stehen vor unseren Spiegelbildern. Du und ich. Betrachten uns. Den einen. Den anderen. Du siehst anders aus. Du bist nicht mehr den, den ich vor Jahren kennen lernte. Sagtest du leise hauchend, wenn auch klar und deutlich. Ich glaube im Spiegel das Vibrieren deiner Zunge erkannt zu haben, während du diese Worte sagtest. An deinem Peercing läuft ein Tropfen Wasser herunter. Ich kann nicht erkennen, ob er aus deinem Mund kommt oder schon vorher da war. Ich kann mich nicht erinnern. Du meinst, du hättest ein Zucken im Spiegel sehen können, als du es aussprachst. Ich bitte dich die Worte noch einmal zu wiederholen und versuche, mich auf mein Spiegelbild zu konzentrieren. Doch die Blicke schweifen ab. Auf dich. Auf deine Zunge. Dein Peercing. Ich möchte sehen, ob der Wassertropfen aus deinem Mund kommt und er mit einem Weiteren fusioniert. Ob deine Zunge ein weiteres Mal vibriert. Du setzt an, ziehst deine Lippen auseinander, schaust mich durch das Spiegelbild an und sagst erneut, ich wäre nicht mehr der, den er einst kennen lernte. Mit der letzten Silbe fällt der Spiegel in sich zusammen und zerbricht. Du kannst mich nicht mehr sehen. Ich dich nicht mehr. Mir fehlt der Anblick deiner vibrierenden Zunge, der Wassertropfen südlich deines Peercings. Ob du auf ein Zucken gehofft hattest?
Ratgeber Glück – Die fünf sichersten Wege für unbeschwerte Glücksmomente! Nur in ihrem Magazin des Vertrauens!
Weg eins: Alles auf eine Karte setzen. Gewinnen oder verlieren. Alles oder nichts. Kampf oder Resignation.
Weg zwei: Glücklich sein über die Zustände maßloser Unglücklichkeit. Die Umkehr der Zustände als Glücksmoment.
Weg drei: Das Glück verbrennen und auf das Glück hoffen, nie mehr Glück zu haben.
Weg vier: Glückliche Momente reproduzieren. Glücksphasenrecycling.
Weg fünf: Ratgeber dieser Art lesen und Tipps zum Glücklichsein sammeln.
In der nächsten Ausgabe lesen sie: Ratgeber Tod – Die fünf sichersten Wege für einen sorgenfreien Tod.
Kleinste Kleinigkeitensammlung …
„Du bist mir fremd“, sagte sie, als sie aus dem Fenster des Autos starrte. „Und das sollte auch so bleiben, denn das liebe ich an dir“. Er stieg aus. Schwieg und holte sich einen Kaffee.