Einfach anders…


Geschichten /Alben eines Jahres – Eine (Re)Konstruktion

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 27, 2008

Eine Geschichte ist noch nicht geschrieben. Ich glaube, ich hatte bisher zu große Angst davor. Ihr nicht gerecht werden zu können. Sie gar falsch zu erzählen. Bis heute. Denn nun möchte ich diese Geschichte endlich erzählen. Und es ist nicht irgendeine beliebige, sondern unsere. Du und ich. Wir. Unsre Geschichte. In den letzten Monaten ist sehr viel passiert. Zurück bleiben Hoffnungen. Schmerzen. Enttäuschungen. Schöne Momente. Und viele Erinnerungslücken. Die hier erzählte Geschichte ist eine Rekonstruktion eines außergewöhnlichen Konstrukts zweier Menschen, die das Jahr 2008 gemeinsam, und doch allein, erlebten. Ein Bauwerk, das schon bei der Grundsteinlegung einsturzgefährdet war. Und ist. Und bleibt. Unser persönliches Album. Eine Konstruktion.

Zugleich schließe ich mit dieser Geschichte ein anderes: Das Album des Jahres 2008.

Ein Drittes bündelt die wenigen ehrlichen Worte, die 2008 zwischen uns vielen. Auf einer CD. All diese, die wir nie aussprachen, weil wir nicht konnten. Wollten. Mussten. Die Tracks des Jahres. Die aus unserem Inneren sprachen. Und nicht nach außen sollten. Ein perfektes Konstrukt.

Drei Alben – Drei Konstrukte – Zwei Leben – Eine Geschichte

Fünf Episoden – Eine Geschichte

Der Vorhang öffnet sich.


1. Die Kennlernphase:

Ich finde dich interessant, weil du irgendwie anders bist. Du bist geheimnisvoll. Das zieht mich an. Unsere ersten Worte. Unser erstes Fundament.

Deine beste Waffe war die Arroganz. Damals wusstest du noch nicht, dass du sie einmal gegen etwas anders eintauschen würdest.

Klar kannst du dich mal melden. Halt nur nicht bei mir. Und doch bekam ich deine Nummer. Weil wir uns durch unsere Abstößigkeit von Beginn an anzogen.

Ich weiß nicht mehr wie unsere ersten Treffen abliefen. Was du sagtest. Worüber wir sprachen. Die Erinnerungen sind weg. Verschwunden. Überflutet.

Du wusstest damals noch nicht, dass sich hinter meiner geheimnisvollen Art der Wahnsinn verbarg. Du ahntest es vielleicht. Und trafst dich trotzdem mit mir. Wir stießen uns ab, weil wir uns vom anderen zu sehr angezogen fühlten. Später wirst du einmal sagen, dass du mich gern hassen würdest. Du alles dafür geben würdest.


2. Die Verschmelzphase:

Wir glaubten vom selben Stern zu sein. Verschieden gleich. Gleich verschieden. Du trafst dich mit mir. Ich traf mich mit dir. Daraus wurde ein wir. Deine Kälte ließ mich warm werden. Deine Stärke vor Bewunderung erstarren. Deine geheimnisvolle Art ließ mich abhängig werden. Von dir. Sherlock Holmes. Ich war den fundamentalen Konstruktionen deiner Selbst auf der Spur. Es zog mich an. Du zogst mich an. Machtspiele. Zwischen dir und mir. Doch schon längst gab es das du und ich nicht mehr. Es war ein wir. Wir spürten es. Und wehrten uns. Vergebens.

Schon damals sprachen wir viel, und doch ließen wir vieles ausgesprochen unausgesprochen. Das Kind hatte keinen Namen. Wir schwiegen, weil wir nicht reden mussten. Wir schwiegen, des Konstruktes Willen. Wir konnten nicht anders, auch wenn wir gewollt hätten.

Wir hatten keine gemeinsamen Fundamente. Und doch bauten wir ein Haus. Ein Gemeinsames.

Später wirst du einmal sagen, dass ich all den gemeinsamen Raum allein ausfüllte und dir die Luft zum Atmen nahm.

Wir konnten schweigen. Gemeinsam. Ließen andere für uns reden. Wir hörten all die Songs, um nicht reden zu müssen. Sie sprachen für uns. Mit dir kann ich schweigen, für mich ist es das größte Geschenk einer Freundschaft. Später werden wir erfahren, dass das Schweigen uns lähmte. Und wir zum anderen nur noch ehrlich waren, wenn wir andere reden ließen.

Du schmeckst bittersüß. Du hast es gespürt. Von Beginn an. Und doch niemals losgelassen. Später wirst du einmal sagen, ich sauge dich aus wie ein Vampir.

Gemeinsam wollten wir den Himalaja erklimmen, sahen all die bunten Lichter von oben. Genossen. Und schwiegen. Gemeinsam. Gingen 1000Stufen, zurück zum Boden. Gemeinsam.

Verschmolzen. Abhängig. Ein Konstrukt. Ein Haus. Ein Kartenhaus.


3. Die Abhängigkeitsphase:

Du warst da. Als ich zusammenbrach. Ich glaubte, du seiest das Beste, das mir je passieren konnte.

Ich glaubte, du seiest stark und kennst den Weg. Ich legte meinen Kopf auf deine Schulter. Genoss deine Nähe. Doch längst warst auch du zusammengebrochen. Unter mir. Weil du dich selbst aufgabst. Für mich. Für die Anderen. Und ich war nicht da.

Ich machte mich von dir abhängig. Du dich von mir. Ich war schon lange nicht mehr dein Zucker. Sondern dein Gift. Später wirst du erkennen, dass du längst süchtig danach warst.

Du zogst bei mir ein. Um für mich da zu sein. Und wolltest zugleich dein Ticket in die Freiheit lösen. Doch du wusstest, dass der Weg zu mir eine Flucht in ein Gefängnis seien würde. In die Höhle des Löwen. Du kamst. Und bliebst. Weil du abhängig warst.

Wir schwiegen. Und ließen andere reden. Immer mehr. Immer häufiger. Ließen all die Tracks für uns reden. Weil wir nicht sprechen konnten. Wollten. Durften.

Der Alkohol allein führte in immer größer werdenden Abständen dazu, dass einige emotionale Worte fielen. Wenn so was erstmal raus ist, dann geistert es umher. Wir hatten es gesagt und konnten es nicht rückgängig machen. Es sollte nie wieder passieren. Und so schweigen wir wieder. Immer häufiger.

Manchmal reichten wir einander ein paar Zuckerstücke. Niemand biss die fütternde Hand. Doch später ertränkten wir alles in Salzsäure. Um es ungeschehen zu machen. Was nicht ging.

Die Wohnung war ein Gefängnis für beide. Wir flohen. Und waren doch zusammen dort.

Aufopferungsvoll gabst du dich hin, und wurdest selbst zum Opfer. Für meine Bluttaten. Wir sprachen nicht. Wir schrieben. Beide begannen wir das Schreiben. Flohen in andere Welten. Ins Graceland. Später werden wir einmal erfahren müssen, dass wir auf der Flucht waren: Vor uns selbst. Der Kommunikation. Denn Worte waren längst Gift geworden. Zwischen uns.

Du kratztest meine Teufel von den Wänden. Und begabst dich mit mir auf die Suche nach Nacktschnecken. Lange schon wusste ich nicht mehr was du dachtest, ob du ehrlich warst und wer du wirklich bist. Es interessierte mich auch nicht mehr. Denn ich verlor den Blick dafür. Meine Brille fiel zu Boden. Ein Scherbenhaufen. Du versuchtest sie aufzuheben. Mit bloßen Händen, ohne Handschuhe. Und glaubtest an Veränderungen. An uns. Du hast immer an uns geglaubt. Später werde ich einmal erfahren dürfen, dass es der größte Schatz war. Das größte Geschenk, das du mir machen konntest.

Ich konnte nicht mehr. Du konntest nicht mehr. Wir wussten es beide. Doch schwiegen wir. Der Süchte Willen.

Ich ging in die Klinik. Du bliebst zurück. Allein. Mit all dem Dreck. In dieser Wohnung. Statt zu gehen bliebst du. In diesem Gefängnis. Und kamst regelmäßig zu mir. Gemeinsam wollten wir die Zeit durchstehen. Wünschten uns ein besseres Leben. Wir hofften und vergruben. Das Leben, das wir kannten, war seit geraumer Zeit vorbei.

Ich kam zurück. In das alte Leben. Wir freuten uns aufeinander, obwohl du mich längst verabscheutest. Für all meine Taten.

Wir saßen. Und schwiegen. Ließen die anderen für uns reden. Um nicht sprechen zu müssen. All die Songs sagten alles, was wir nicht sagen konnten. Weil wir nicht wollten.

Nichts war wie früher und doch war nichts anders. Du wohntest bei mir. Wir lebten. Irgendwie. Aneinander. Vorbei. Später werden wir erfahren müssen, dass wir das Gefängnis beide gern längst verlassen hätten. Doch wir konnten nicht. So blieben wir. Zurück.

Wir genossen die gemeinsame Zeit. Genossen schöne Abende. Versuchten sie zu halten. Save tonight. Doch diese Abende wurden immer weniger. Wir sprachen wenig. Nicht über dich. Nicht mehr über uns. Nur noch über mich.

Du schriebst immer weiter. Deine Geschichten. Unsere Geschichten. All die Alltagsgeschichten. Um nicht reden zu müssen. Um zu verdrängen. Ich tat es dir gleich. Wir flüchteten. In all diese Welten. Eines Tages begannst du, es mir vorzulesen. Ich sog es auf, denn es war längst die einzige Möglichkeit, etwas von dir zu erfahren. Du wolltest mir nicht mehr von dir erzählen. Um keinen Preis. Gerne wärst du gegangen und bliebst doch. Zwei Herzen schlugen in deiner Brust. Eins voll Liebe. Eins voll Hass. Unsere Nähe wurde immer weniger. Doch du warst da. Und bliebst. Bei mir.

Ich hatte Träume. Du hattest Träume. Wir hatten Träume. Doch später werden wir erfahren, dass unser fairytale schon sehr lange vorbei war. Doch wir träumten weiter. Und schrieben über all die grausigen Geschichten. Wünschten uns ein besseres Leben. Doch all die guten, guten Leben, passieren immer auch nur den, die sie erzählen können und wir können dann nebenbei erwähnen… Zweifel… Am Ende steht immer die Null. Wir wussten es. Später werden wir erfahren, dass es längst zu spät für Veränderungen war. Davor hatten wir Angst. Alles oder nichts. Beides war unmöglich.


4. Suchtbekämpfungsversuch:

Ich entschied mich erneut zu gehen. Um den Wahnsinn und die Geister zu besiegen. Und ich ließ dich wieder zurück. Weil ich nicht mehr konnte. Du wolltest den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen. Ich war ein Fehler und das wusstest du. Doch der Rotstift reichte nicht. Ich ging nicht so einfach. Die Spinne trug weiter ihr rotes Kleid.

Du hättest dich gern gehäutet. Deine Haut wie eine Schlange vom Leib gestriffen. Doch es ging nicht. Du warst immer noch da, obwohl ich fort ging.

Über mich erfuhrst du nur durch meine Texte. Ich war längst süchtig nach dem Schreiben. Du tatest es mir gleich. Du warst auch süchtig. Nach dem Schreiben. So schrieben wir. Und schwiegen. Ließen andere für uns reden. All die Songs, die uns durch das Jahr trugen und uns beim Schweigen halfen. Die Ehrlichkeit war längst dem Lügen gewichen.

Du wolltest von mir loskommen. Es ging nicht. Längst gabst du dich auf. Von dir war schon lange nicht mehr viel übrig geblieben. Später wirst du erfahren, dass ich schon lange wusste, dass deine Fassade nicht echt, das Kartenhaus einsturzgefährdet war. Doch ICH wollte es nicht in die Knie zwingen. Doch ich tat es. Dafür hasse ich mich.

Du lagst dort.

Aus dem Nichts tauchte ich wieder auf. Ich war abgetaucht. Und hatte dich zurückgelassen. Jetzt suchte ich dich wieder auf. Und es war schwerer denn je, weil wir es anders machen wollten. Wir wollten sprechen und ehrlich sein. Wir erkannten beide, dass uns das Schweigen begrub. Uns. Das Zwischenmenschliche, wie sich später herausstellen wird.

Der Vorhang schließt sich.


5. Open end:

Verehrter Leser, jetzt kein Verdruss,

Wir wissen wohl, dies ist kein rechter Schluss. (…)

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen,

Den Vorhang zu und alle Fragen offen. (…)

Vielleicht fiel uns aus lauter Furcht nichts ein.

Das kam schon vor. Was könnt die Lösung sein?

Wir konnten keine finden, nicht mal für Geld.

Soll es ein andrer Mensch sein, oder eine andre Welt? (…)

Der einzige Ausweg wär aus diesem Ungemach:

Sie selber dächten auf der Stelle nach

Auf welche Weis den Menschen man

Zu einem guten Ende helfen kann.

Verehrter Leser, los, such dir selbst den Schluss.

Es muss ein guter da sein. Muss. Muss. Muss.

(aus: B. Brecht: Der gute Mensch von Sezuan)

Ich lasse unser Album aufgeschlagen. Und die Geschichte ohne Ende. Zurück bleibt nur ein einzelnes Konstrukt. Und dessen Überbleibsel.

Ich warte. Auf ein happy end?

Count to ten. One. Two. Three. For. Five. Six. Seven. Eight. Nine. Ten.


Tracks des Jahres:

Track 01: Kettcar – Kein Außen mehr

Track 02: But Alive – Beste Waffe

Track 03: Ich+Ich – Vom selben Stern

Track 04: A. Louisan – Ausgesprochen Unausgesprochen

Track 05: Christina Stürmer – Ich lebe

Track 06: Jennifer Rostock – Himalaja

Track 07: Kettcar – Genauer betrachtet

Track 08: Silbermond – Das Beste

Track 09: A. Louisan – Ich…be dich

Track 10: But Alive – Niemand beißt die Hand, die einen füttert

Track 11: Kettcar – Graceland

Track 12: Jennifer Rostock – Gedanken, die man besser nicht denkt

Track 13: Kettcar – Stell dir vor, er wäre echt

Track 14: Klee – Zwei Herzen

Track 15: Sunrise Avenue – Fairytale gone bad

Track 16: Kettcar – Nullsummenspiel

Track 17: A. Louisan – Die Wahrheit

Track 18: Tina Dico – Count to ten

Bonustrack 1: Kettcar – Balu

Bonustrack 2: Peter Fox – Alles neu


Informationen: Der Text arbeitet vor allem intertextuell. Einige Textpassagen sind daher komplett oder stellenweise übernommen worden. Ich danke folgenden Bands und Autoren für Ihre Unterstützung bei meiner „Geschichte“: Maximo Park. 2RaumWohnung. Madsen. RHCP. The Kooks. Billy Talent. Laith al Deen. Eagle-Eye Cherry. MIA. .Juli. But Alive. Kettcar. Wir sind Helden. Jennifer Rostock. Peter Fox. Christina Stürmer. Ich+Ich. Sunrise Avenue. Klee. Silbermond. A. Louisan. Tina Dico. B.Brecht

Weihnachtsvorfreude

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 24, 2008

Habe meine Familie gestern zum Verkauf freigegeben. Es gibt Dinge, die sollte man besser vor Weihnachten los werden, dachte ich. Meistbietender verlangt von mir eine Jahressumme für Unterhaltskosten und Arbeitsleistungen.

Jetzt sind sie also noch da, an diesem schönen Weihnachtsfest. Hoffentlich passiert heute mal etwas spannendes, brennender Baum, Unwetter. Irgendwas. Gähn. Sonst hält diese Idylle doch kein Mensch aus. Zur Not kotz ich halt etwas. Was solls.

So. An alle Mitfühlenden dieser Tage. Macht es besser. Falls ihr noch interessiert seid, die Versteigerung meiner Familie läuft noch den ganzen Abend über.

Schick euch sie gern per Luftpost mit dem Schlitten des Weihnachtsmanns zu.

Weihnachtsboykott

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 23, 2008

Beim Versuch, die Weihnachtsplätzchen zu vergiften, hat mich der Weihnachtsmann erwischt. Jetzt stehe ich vor Gericht. Mindeststrafe: 1 Jahr lang ununterbrochen Weihnachten feiern. 24Stunden. 365 Tage. Beim Krippenspiel die Maria spielen. 365 Weihnachtsbäume schmücken. Geschenke selbst einpacken.
Revision eingelegt. Versuchen uns gerade auf Ostern zu einigen. Der Weihnachtsmann als Vorsitzender will nicht so recht. Der Osterhase fühlt sich diskriminiert und hat eine Verleumdungsklage eingereicht. Verhandlungen laufen. Solange sitze ich in U-Haft. Einzige Mahlzeit: Weihnachtsplätzchen und Dominosteine.

Bald bin ich adipös. Und werde den Weihnachtsmann vertreten müssen.

Wozu das alles?

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 19, 2008

Ein Text, den ich vor ein paar Wochen schrieb. Er ist gerade wieder sehr präsent, deshalb habe ich ihn ausgegraben.

Am Ende bleibt doch wieder die Frage. Eine, die unbeantwortet bleibt. Wozu das alles?

Ich habe all die Jahre viel aufs Spiel gesetzt, alles riskiert, und doch verloren.

Als Scherbenhaufen liegen sie dort. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ich habe Freunde verloren. Einfach, weil sie nicht mehr konnten und ich zuviel wagte. Sie waren der Preis für meine Ignoranz. Wozu das alles?

Ich gab meine Ehre und Vernunft auf, nur um Zuneigung und Liebe zu bekommen. Ich konkurrierte mit (einem) Menschen um (einen) Menschen. Doch sie sollten nie der Preis für etwas sein. Das hatte ich mir geschworen. Doch diesen Schwur selbst gebrochen. Ich empfinde Abscheu gegen mich selbst. Für das, was ich tat. Ich kämpfte nicht mit, sondern gegen das beste Wissen und Gewissen. Mit unfairen Mitteln. Verletzte andere. Ich wollte es nicht. Doch ich tat es. Warum nur? Wozu das alles?

Ich gab mich selbst auf. Bastelte mir aus verschiedensten Profilen eine neue Identität. Fernab meiner eigenen. Kopierte, strich raus. Wie darf ich sein? Wie muss ich sein? Was geht nicht? Dann studierte ich die Rollen ein, wie ein Schauspieler. Und verlor dadurch alles. Authentizität. Persönlichkeit. Zwischenmenschlichkeit. Warum nur? Wozu das alles?

Jetzt ist es zu spät. Ich habe Menschen verletzt, gekränkt und mit Füßen getreten. Keine Achtung ihnen gegenüber. Unwürdig.

Von Zwischenmenschlichkeit ist nicht viel übrig geblieben. Und von mir selbst auch nicht. All die Jahre.

So bleibt die Frage: Wozu das alles?

Auf Wiedersehen. Gewissen. Persönlichkeit.

Kleinste Kleinigkeitensammlung V

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 18, 2008

WG-Feeling in meiner Wohnung eingekehrt. Moralische Vorbereitung auf das Kommende. Plötzlich war sie da, diese Spinne. Und ich war nicht mehr allein. Habe mit ihr ein Lied einstudiert: Peter Fox. Mit dem Singen klappt bei mir noch nicht so gut. Und sie bewegt sich unkoordniert. Ist ja auch schwierig mit so vielen Beinen.

WG-Party am Mittag. Dance for fans und Deutschland sucht den Superstar- Motto-Party. Zigarette und Zahnbürste, abwechselnd.

Kleinste Kleinigkeitensammlung IV

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 18, 2008

„Okay mein Kind. Du darfst ausziehen. Aber nur unter einer Bedingung: Der Typ gibt mir schriftlich, dass er wirklich schwul ist. Er hat gefälligst die Finger von meiner Tochter zu lassen.“


„Vadder, dat krieg ich hin. Ich gebe mein Bestes.“

Todesursache unklar – Vol. VIII

Die Hochzeitsgesellschaft trifft sich wieder. Zu ihrer Beerdigung. Mutation einer Hochzeitsgesellschaft zur Trauergemeinde. Sie alle tragen schwarz. Nur die Kinder erscheinen in blauer Jeans. Eines dieser trägt neonfarbene Turnschuhe. Sie leuchten besonders hell in der schlicht gehaltenen Kirche. Alle sind sie versammelt. Sie warten auf den Pfarrer. Gleich wird die Trauermesse beginnen. Christel wird in einem Sarg hinein gebracht werden. Die Kinder sind unruhig. Sie spielen fangen. „Wer als erster am Jesuskreuz angekommen ist.“ Die Erwachsenen schweigen, ein paar Wenige vergießen Tränen. Bernd gewinnt das Rennen und schreit: Erster. Ein synchrones „Pssst. Ruhe“ ist zu hören. Dann Totenstille.

Die Türe hinter dem Altar öffnet sich.

Die Orgel beginnt leise zu spielen. Alle blicken sie nach vorn. Erwarten den Sarg.

Der Pfarrer, bekleidet mit einem weißen Kittel, hält ein Obduktionsmesser in der Hand. Die Gemeinde starrt ihn an. Münder öffnen sich. Fassungslosigkeit in ihren Gesichtern. Die Kinder schreien laut auf: „Mama, das ist kein Pfarrer, das ist der komische Patho…Patho…Dings, der, der Christel den Bauch aufschneidet und schaut, warum sie tot ist.“ Die Erwachsenen regen sich nicht. Ignorieren die Worte ihrer Kinder. Der Mann im weißen Kittel stellt sich hinter den Altar. Die Türe ist immer noch weit geöffnet. „Mama, wo bleibt der Sarg mit Christel drin?“ Alle schauen fassungslos nach vorn. Ihre Münder stehen immer noch offen.

„Das glaube ich jetzt nicht.“ „Mama, was ist das?“ Totenstille. Die Orgel beendet ihr Spiel. Auf weißen Rädern rollen 6 Männer, begleitet mit weißen Kitteln, einen weißen Gegenstand in die Kirche. „Mama, das ist ja die Badewanne, in der Christel gestorben ist.“ Keiner sagt etwas. Alle stehen sie dort, regungslos.

Dann beginnt der Pfarrer die ersten Worte an die Gemeinde zu richten.

„Liebe Gemeinde. Wir sind heute hier zusammen gekommen, um von Christel B. Abschied zu nehmen, die bei ihrer Hochzeit tragisch ums Leben kam.“ Kurze Atempause.

„Doch wir haben uns dazu entschieden, ihnen heute, hier, an diesem Ort, des Rätsels Lösung zu geben, wie ihre allseits geliebte Verwandte und Bekannte verstarb. Deshalb bin ich gekommen, mit der Wanne, jenem Gegenstand, an dem ihr Ableben stattfand. Treten sie näher und ich gebe ihnen die Erklärung.“

Zunächst rührt sich keiner. Die Kinder springen auf. Rennen zur Wanne. Die Erwachsenen bleiben versteinert stehen. „Kommen sie näher, liebe Gemeinde. Scheuen Sie sich nicht des fürchterlichen Anblicks.“

Um die Wanne herum hat sich eine Schar von Kindern versammelt. Ein Kind trägt neonfarbene Schuhe. Sie leuchten hell in der dunklen Kirche. Totenstille im Raum.

„Gleich werden sie des Rätsels Lösung kennen, meine Damen und Herren.“

Wahn…sinn

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 17, 2008

Wahn … sinn

Macht der Wahnsinn noch Sinn?

Können seine Sinne ihn zum Wahnsinn treiben?

Oder ist es schon der Wahn, der ihm gerade seine Sinne nimmt?

Und mit welchen Sinnen spürt er den Wahn?

Warnt ihn einer vor dem Wahn?

Was macht der Wahnsinn mit ihm?

Vernachlässigt er alle Sinne, wenn er vom Wahn befallen ist?

Wovor schützen ihn Sinne?

Warnt ihn jemand vor dem Sinnlosen? Was bringt ihm der Sinn?

Was bringt ihm ein Wahn?

Wozu der Wahnsinn?

Welche Funktion hat die Sinnhaftigkeit des Wahnsinns in seinem Leben?

Ignoriert er jede Sinnhaftigkeit nach dem Befall durch den Wahn?

Wovor schützt ihn der Wahnsinn?

Braucht er den Wahnsinn zum sinnvollen Überleben?

Macht der Wahnsinn noch Sinn?

Kleinste Kleinigkeitensammlung III

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 17, 2008

„Ich bin sicher nicht die Erstbesetzung für deine erste… „

Gegen Gefühle kann man nichts machen. Sie kommen und sind da.

Man muss aus dem Vorhandenen das Beste machen.

Frohe Weihnachten

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Dezember 17, 2008

Entschuldigen Sie bitte, könnten sie das Taschenbuch vielleicht in eine etwas größere Tüte einpacken, falls ich unterwegs mal kotzen muss? Das wäre echt lieb von …. Oh, jetzt ist es schon zu spät. Entschuldigung, ich kaufe ihnen gleich eine neue Bluse. Wo gab es die noch mal? Bei KIK oder Zeeman, ich verwechsle das immer wieder. Bin gleich wieder da. Das Buch brauche ich jetzt nicht mehr. Danke.

Entschuldigen Sie bitte, dürfte ich Sie vielleicht um eine kleine Spende bitten? Mir fehlen noch 451€ für den neuen Pelzmantel meiner Schwester. Könnten Sie mir aushelfen? Nein. Unverschämtheit. Geiziges Volk.

Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie eine bunte Tute zusammenstellen? Aber nur Hochwertiges. Mutti mag am liebsten Gras und Heroin. Für 1Euro insgesamt, bitte.

Entschuldigen Sie bitte, waren Sie nicht der ehemalige Filialleiter des Juwelierladens auf der Düsseldorfer Kö? Heute sehen Sie anders aus. Und vielleicht ein bisschen lächerlich mit diesem ungepflegten weißen Bart und dem Müllcontainer in der Hand. Ich dachte immer Weihnachtsmänner würden schenken und nicht sammeln. Mama hat mir das so beigebracht.

Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir den Porno weihnachtlich einpacken? Wissen Sie, meine Oma ist bei solchen Sachen immer sehr konventionell. Geht das? Und sagen Sie, da vorne steht ein Schild, auf dem steht, dass sie das Cover ausgewählter Ware individuell gestalten. Möchte gern, dass sich Oma dabei an Opa erinnern kann. Wie wäre es mit der Aufschrift… Ach, lassen wir das. Packen Sie es schön ein. Danke.

Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir vielleicht die junge Dame, dort hinter der Kasse, verkaufen und einpacken? Papa braucht genau so eine. Wie, das geht nicht? Dann werben Sie gefälligst nicht mehr mit „Alles muss raus.- Schlussverkauf.“ Ich will die aber haben. Ahhhhhhhhhhh.

Entschuldigen Sie bitte, hätten Sie vielleicht noch einen Platz für einen jungen Mann am Heiligen Abend? Ich suche da nämlich eine Familie. Es wäre das schönste Weihnachtsgeschenk. Ich bin auch ganz zahm und wünsche mir auch sonst nichts. Bitte, bitte. Nein. Nächstenliebe. Die Nummer hat auch mal besser geklappt.

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