Einfach anders…


Im Schnee

„Glaubst du wir können den Berg gleich hinunter laufen, ohne dabei auszurutschen und runter zu purzeln?“
„Ich weiß es nicht, aber wir versuchen es einfach mal. Lass uns aber bitte noch etwas hier oben bleiben und die Winterlandschaft genießen. Die Luft hier ist so schön und ich fühle mich gerade wohl und geborgen, darf ich dich umarmen? Ich freue mich sehr, mit dir hier im Schnee zu stehen und dich endlich wieder zu sehen.“
„Gern.“
„Wir werden das Leben dort draußen meistern, da bin ich mir sicher. Jeder von uns wird es auf seine eigene Art und Weise schaffen, wir müssen nur ganz stark dran glauben.“
„Ich glaube fest an dich. Du bist stark und wirst deinen Weg gehen.“

Die Bäume sind mit leichten Schneemassen bedeckt. Er beobachtet sie ein wenig und stellt fest, dass sie das Gewicht der weißen Pracht mit einer enormen Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit tragen, als würden sie Tag aus Tag ein nichts anderes tun. Im Rhythmus des Windes schwingen sie ein wenig von links nach rechts und lassen einzelne Schneeflocken sanft nach unten fallen. Ihre Wurzeln verankern sie fest im Boden und geben Halt.

„Ich finde es gerade ziemlich surreal hier oben. Nur eine knappe 20minütige Autofahrt trennt uns vom Winter. Nun stehe ich neben dir im Schnee und habe das Gefühl, du wärst nie weg gewesen. Das fühlt sich gut an.“
„Mir geht es auch sehr gut und ich fühle mich wohl.“
„Merke gerade, dass ich nicht die richtigen Anziehsachen trage, in meiner Heimat ist ein solches Wetter schier unmöglich. Kaum liegen 2 mm Schnee, schon freut sich das kleine Jungenherz.“
„Das ist doch schön.“

„Ich möchte endlich neue Wurzeln schlagen und genauso standfest werden wie die Bäume dort oben, magst du mir dabei weiter helfen? Du bist eine große Energiequelle für mich, darf ich noch etwas weiter Kraft aus dir schöpfen?“
„Wenn du es möchtest, gerne.“

Windstille.

„Lass uns langsam zurückgehen und durch den tiefen Schnee stapfen. In wenigen Minuten schon begegnen wir einer anderen Jahreszeit wieder. Ein komisches Gefühl.“

Auf dem Weg nach unten verlässt er den Pfad und uriniert zwei Worte in den Schnee: „Freundschaft“ und „Wurzeln “.
Er holt tief Luft, schließt die Augen und steigt mit ihr gemeinsam ins Auto. Sie reisen zurück.
Ein Ausflug in den Schnee.

Eine Szene…

3 Stühle links und rechts, zusammen gestellt bilden sie jeweils eine Bank. Auf der einen Bank liegt ein Obdachloser, zugedeckt mit einer braunen Wolldecke und auf einem Kopfkissen weißer Farbe liegend, schlafend. Vor ihm ein Eimer, in ihm liegend eine Baseballmütze. Neben der Bank ein Mülleimer.Charakter:aggressiv, unberechenbar, pöblerisch.

Eine Person weiblichen Geschlechts und mittleren Alters, bekleidet mit einem Pullover und einer Jeans, ein Tuch um die Schulter gelegt.Charakter: selbstbewusst, bestimmt, die eigenen Bedürfnisse ins Zentrum stellend.

Eine weitere Person weiblichen Geschlechts, behangen mit einer auffallenden Kette, eine Einkaufstasche tragend, auf dem Kopf eine Solnnenbrille tragend, klein und ebenfalls mittleren Alters.Charakter: aggressiv,zornig.

Darstellung eines Parks, keine weiteren Requisiten, Improvisationstheater.GGF. Eingriff weiterer Schauspieler ohne klare Rollen und Funktionen.

Die Charaktere treffen aufeinander und streiten sich. Gegenstand des Streites: Die Bank. Obdachloser nimmt sich das Hoheitsrecht für diese heraus, selbstbewusste Frau kämpft um einen Platz auf dieser. Die dritte Person mischt sich ein, pöbelt und gibt sich arrogant. Heftiger Streit, verbale Aggression, starke Wortgefechte, Sprachstil vermischt. Gegenstand wird aus den Augen verloren. Streit um soziale Schicht, Sprachstil, Verhaltensweisen und Ausdrucksform.

Spielende Kinder mischen sich ein und bewerfen Charaktere mit einem Ball. Zusätzliche Wortgefechte mit den Kindern entstehen, sichtbare Aggressionen. Sie verlassen den Schauplatz wieder. Fokussierung auf drei Chraktere. Gegenstand Bank ruscht wieder in das Zentrum, Kampf geht weiter. Mittlerweile Benutzung der Bank durch die beiden weiblichen Charaktere. Heftige Wortgefechte, teilweise vulgäre Sprache. Einbeziehung von Gegenstände zum Ausdruck von körperlicher Aggression, ein Ball zerstört die Tasche einer Dame.

Obdachlose verlässt die Bühne. Die Frauen sitzen sich hilfos gegenüber, kaum Kommunikation. Abbruch der Szene wird verhindert, Obdachloser betritt erneut die Bühne. Diskussion um zerstörte Tasche beginnt, dritte Person schaltet sich ein und verlässt die Bank. Körperliche Übergriffe, Schlichtungsversuche scheitern. Körperliche Aggression bleibt sachte. Der Gegenstand Bank ist frei. Obdachloser zieht sich aus dem Konflikt raus und landet siegessicher auf ihr. Triumpf. Ein letztes Schimpfwort. Abbruch.

Eine Szene….

Reine Improvisation.

Eine Erfahrung.

Danke.

Zuckerregen

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am Oktober 4, 2008

Der Wind wird heftiger, die Bäume fangen an zu schwanken, der Himmel zieht sich zu. Er steht dort.

Es regnet Zuckerstückchen und er fängt sie mit seinem Pullover auf. Wirr rennt er dabei von links nach rechts, in der Hoffnung, alle auffangen zu können. Er sammelt sie in einem großen Eimer. Einzelne verschlingt er auf der Stelle.

Wie bei einem Vulkanausbruch fliegen sie durch die Luft und zerstören dabei die Landschaft. Häuser krachen ein, Bäume fallen um, Tiere werden erschlagen. Allein er steht im Zuckerregen und scheint schier unbezwingbar. Stückchen für Stückchen wirft er den Zucker in den Eimer, bis er bis zum Rand gefüllt ist.

Glücklich und zufrieden blickt er noch einmal auf den Eimer neben sich, schließt die Augen und atmet tief durch. Ein tiefer Schmerz zwingt ihn die Augen zu öffnen.

Er wurde von einem Ast getroffen. Der Eimer ist unauffindbar. Um ihn herum eine unbefleckte Landschaft voller Schönheit. Er spürt einen süßlichen Geschmack auf der Zunge