Einfach anders…


Es muss raus…

Kühe liegen gelangweilt auf der Wiese und kauen und kauen. Ein paar Vögel zwitschern, die Sonne strahlt den alten Baum an und spendet eine Große Menge Tageslicht.

Nun nehmen wir allen Mut zusammen, junger Mann und brüllen gemeinsam und auf drei: „Ich kann das nicht.“

Wie reagiert man darauf? Eine Falle. Ein geniales Wortspiel. Spiele ich den Ball noch einmal zurück oder ergebe ich mich meinem Schicksal und diesem Wortspiel?

Ich kann das so nicht stehen lassen. Mein Gegenüber erwartet die Äußerung: „Nein, das kann ich nicht“, und schon hätte er gewonnen. Will ich ihn gewinnen lassen, kann ich überhaupt noch gewinnen? Wenn ich abwarte, ergebe ich mich nicht dann schon automatisch? Wie reagiere ich?

Anders als mein Gegenüber erwartet.

Ich brülle ohne groß zu zögern: „Ich kann das nicht.“

Und lege noch ein drauf. Ich brülle laut: „Mist, und ich kann es eben doch.“

Totenstille. Die Kühe liegen regungslos auf der Wiese und unterbrechen ihr kauen. Vögel sind nicht zu hören, die Sonne strahlt weiterhin

Ich fühle mich gut und frei. Der Knoten ist geplatzt. Und mein Gegenüber hat es geschafft. Er hat doch gewonnen, denn er hat dieses Gefühl in mir ausgelöst, dieses Freiheitsgefühl.

Beruhigt lehne ich mich auf der Parkbank zurück. Mein Gegenüber gibt es nicht mehr, gab es auch nie. Ich war allein und habe es getan und auf meine innere Stimme gehört. Ich lasse sie gern gewinnen, es tat gut auf sie zu hören.

ICH habe es raus geschrien und kann es …. Ja. Ich kann es.

Die Kühe kauen weiter, die Vögel zwitschern wieder, die Sonne ist weitergezogen udn strahlt mir mitten ins Gesicht.

Warten . . .

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am September 12, 2008

Warten kann er nicht. Er kann es einfach nicht. Schnell wird er ungeduldig, läuft von A nach B, hibbelt rum, läuft schreiend im Kreis oder steht kurz vorm Durchdrehen. Auf einem Stuhl kann er nicht lange ruhig sitzen bleiben. Er muss sich bewegen. Warten kann er nicht.

Am Bahnsteig wird das Warten auf den Zug zur Hölle. Er läuft auf und ab, vom Nord- zum Südausgang, und betrachtet dabei die einzelnen Plakate. Wahlweise zählt er sie auch. Manchmal zählt er die Menschen auf den Gleisen und fragt sich, wohin sie wohl fahren werden. Er läuft und läuft. Muss sich bewegen. Schaut auf die Uhr. Zählt im Kopf die Sekunden einer Minute, einer Stunde. Wann kommt endlich der Zug? Warten kann er nicht.

Im Bett liegend wartet er auf einen Anruf. Er wälzt sich von links nach rechts, steht wieder auf, um sich etwas Beschäftigung zu suchen, rennt dabei unkontrolliert durch die Wohnung und landet schlussendlich wieder in seinem Bett. Er nimmt sich ein Buch, versucht drin zu lesen, sieht Buchstaben, Worte und Sätze, nimmt sie aber nicht wahr. Er liegt auf dem Rücken, dem Bauch, auf der Seite, falsch herum im Bett und wartet auf den ersehnten Anruf. Schaut ständig auf die Uhr. Es dauert ihm zu lange. Er selbst ruft an, hält es nicht mehr aus. Warten kann er nicht.

An der Supermarktkasse packt vor ihm eine alte Frau ihr gesamtes Portemonnaie aus. 1Cent-Stücke, 2Cent-Stücke, 5-Cent-Stücke, 10-Cent-Stücke,20Cent, 50Cent, 1Euro,2Euro, und stellt fest, dass ihr Kleingeld nicht reichen wird. Langsam und gemütlich packt sie die einzelnen Münzen zurück in ihre Geldbörse. Er steht hinter ihr und wibbelt mit den Beinen, würde am Liebsten in die Bananen auf dem Band beißen oder los schreien. Langsam und ohne Hektik bezahlt sie. Er kann nicht mehr und würde gern flüchten. Warten kann er nicht.

Auf der Autobahn sieht er durch die Windschutzscheibe Warnblinkanlagen. Unzählig viele. Rote Bremsleuchten. Autokorsos. Ein Stauende, und er fährt zielgerichtet drauf zu. Klassisch konditioniert macht er es ihnen nach und beißt schon einmal vorsichtshalber ins Lenkrad. Er wird ungeduldig. Im Radio sucht er nach einer Staufrequenz und hofft auf wenige Kilometer. Zu finden ist leider keine. Wie lange muss er nun darin verweilen? Stop and Go. Stop and Go. Und mittendrin ist er. Er wird zu spät kommen. Schaut auf die Uhr. Muss hier verweilen und hoffen. Doch warten kann er nicht.

In seiner Wohnung bittet er sie, ihm etwas aus dem Kühlschrank mit nach draußen zu bringen. Langsam schleift sie durch die Wohnung und erledigt ihre Dinge, er wartet nervös auf den angeforderten Gegenstand. Sie zieht sich kurz ins Bad zurück. Es dauert ihm zu lange. Er steht selbst auf. Denn warten kann er nicht.

In einem Telefoncallcenter ist er in der Warteschleife gelandet und hofft auf einen baldigen Dialog. 1Minute, 2 Minuten, please hold the line. Er wird ungeduldig. Rennt mit dem Telefon über die Straße, auf und ab, vor und zurück. Zählt die Sekunden, Minuten. Er ist es leid und legt wütend auf. Denn warten kann er nicht.

Auf seiner Couch will er sich einige Minuten Ruhe und Entspannung gönnen. Mal nichts tun, ach wie schön. Er blickt die Bilder an, versinkt in Gedanken und schweift kurz ab. Sein linkes Bein wibbelt dabei auf und ab. Es ist 17h, um 20h ist er verabredet. Noch drei Stunden. Was soll er so lange machen? Zwanghaft versucht er einzuschlafen, es klappt nicht. Kann nicht jetzt schon 20h sein? Er springt auf und verabredet sich kurzum. Denn warten kann er nicht.

Vor seinem Herd stehend bereitet er sich genüsslich einen Auflauf zu. Nudeln mit Tomaten und Käse. Die Nudeln kocht er vorher im Topf ab. Das Nudelwasser erhitzt er im Wasserkocher, um Zeit zu sparen. Großen Hunger, meldet sein Magen. Er nascht. Dort ne Nudel, dort einen Klecks Soße, da ein Stück Käse. Und noch ein und noch ein. Ungeduldig öffnet er ständig die Topfdeckel und den Backofen und schaut, ob das Essen endlich gar ist. Er will jetzt essen. Sofort. Er nascht und nascht. Der Auflauf wird fertig. Hunger hat er keinen mehr, denn er konnte nicht warten.

Wo bleibt sie denn? Er sitzt in seiner Wohnung und wartet auf seine Verabredung. Sie sagte doch gerade noch, sie mache sich auf dem Weg, wo also bitte bleibt sie? Nervös läuft er auf und ab. In seiner Wohnung möchte er nicht mehr warten, zieht sich an und stellt sich auf die Straße. Zählt die Sekunden, Minuten. Seine Schritte. Seine Atemzüge. Vor der Türe ist es zu langweilig, er läuft ihr ein Stück entgegen, denn warten kann er nicht.

3-5Tage Bearbeitungszeit und sie können den Prozess nicht beschleunigen. Bitte haben Sie etwas Geduld. Jeden Morgen zählt er die Tage runter. Er hält es kaum noch aus, wann gibt es endlich die erlösende Entscheidung? Auf und ab rennend denkt er drüber nach und kriegt den Kopf nicht mehr frei. Er ist nervös. Da er es nicht mehr aushält, ruft er doch an, schon am 2 Tag. Dann am 3.,dann am 4. Denn warten kann er nicht.

Eine Kneipe und alle Tische sind belegt. Gleich werden welche gehen, sie bezahlen und packen ihre Taschen. Er steht dort und wartet, dass sie endlich verschwinden. Er schaut durch die Gegend, blickt sie strafend an, keine Reaktion. Die Ungeduld kocht in ihm hoch, er will nun endlich dort sitzen. Doch es dauert. Er bittet seine Begleitung zu gehen, in eine andere Kneipe. Denn Warten kann er nicht.

Ein Vortrag des Dozenten. Gegen Ende verspricht er kurze und wichtige Informationen über die Prüfungen. Er hibbelt auf dem Stuhl. So sehr er sich auch versucht zu konzentrieren, merkt er, dass er ihm nicht weiter folgen kann und zieht sich in seine Traumwelt zurück. Die Menschen neben ihm stehen auf, die Vorlesung ist zu Ende, die Worte bekam er nicht mehr mit. Denn warten konnte er warten.

Ein Buch. Es ist spannend und fesselnd. Seite für Seite liest er es und hofft auf das spannende Ende. Doch es sind noch 300Seiten. Er hat noch viel vor sich. Die Anspannung verspürt er im ganzen Körper, sie steigt in ihm hoch. Das Ende kann er nicht abwarten und liest die letzte Seite. Die Anspannung ist fort, die Lust am Lesen auch. Weil er nicht warten konnte.

Vor seiner Waschmaschine sitzend beobachtet er den Schleudergang. Die Maschine dreht sich, sie schleudert. Es kann nicht mehr lange dauern, er weiß es. Tick Tack. Schnell will er sie noch aufhängen, aber wie lange dauert das denn wohl noch? Er zählt die Umdrehungen der Maschine. Wartet ungeduldig. Dann hält er es nicht mehr aus und zieht den Stecker. Triefend nass zieht er die Kleidungsstücke aus der Maschine. Denn warten kann er nicht.

In der Bahn ist die nächste Haltestelle schon sichtbar. Die Türen öffnen erst, wenn der Zug vollständig zum Stehen gekommen ist. Nervös drückt er den Knopf, immer und immer wieder. Wann öffnet sie sich endlich? Komm schon. Das Warten macht ihn verrückt. Er kann es nicht.

Vor einer roten Ampel stehend hofft er auf die Grünphase. zunächst noch beobachtet er die Menschen, stellt aber dann fest, dass er zum Warten keine Zeit hat. Tick Tack. Auf und ab gehend versucht er ein gutes Vorbild zu sein und bei Rot stehen zu bleiben. Aber nach 2 Minuten kann er nicht mehr. Er geht, auch wenn kleine Kinder dort stehen. Denn warten kann er nicht.

Die Seite wird langsam aufgebaut. Noch 10Elemente, noch 5 Elemente. Eine halbe Minute vergeht und die Seite ist immer noch nicht komplett hochgeladen. Er kann es nicht ertragen. Klickt sinnlos auf die Maus, haut in die Tasten. Nervös springt er auf und ist ungeduldig. Der PC stürzt ab. Weil er nicht warten konnte.

Es wurde Essen bestellt. Ein leckerer Salat. 10Minuten, 15Min.,20Min. Immer noch keine Spur von etwas essbarem. Auf der Bank sitzend dreht er sich von A nach B, schaut nach dem Kellner. Niemand in Reichweite. Der Hunger vergeht und er ist verärgert. Warten kann er nicht.

„Wie lange dauert das noch? Ich will nicht mehr. Krieg ich ein Eis? Ist es noch weit? Geht das nicht etwas schneller? Ich habe keine Zeit, könnten Sie vielleicht…? Ich bin nicht hyperaktiv, nein, das sieht nur so aus, wirklich. Darf ich schreiend im Kreis laufen? Warum wird hier keine 2.Kasse aufgemacht? Wann kann ich wieder anrufen? Warum hast du dich noch nicht gemeldet, warte seit Stunden? Ich kann nicht mehr sitzen, können wir vielleicht… Können wir uns etwas bewegen? Ich kann mich nicht konzentrieren, aber das macht nix…Scheiße, wie war das noch gleich…. Kannst du mal etwas schneller reden, ich schlafe sonst ein?! Mach mal hin! Wo bleibst du? Ich bin nicht nervös. Nein, ich kann nicht leiser und langsamer sprechen. Ja, ich tippe hektisch in die Tasten, na und? Du hast was gegen meinen Fahrstil, steig doch aus. Ich bin nicht aggressiv, es ist nur….Ich kann nicht mehr warten.“

Man könnte die Aufzählung bis ins Unendliche fortsetzen. Es begegnet ihm jeden Tag.

DENN ER KANN NICHT WARTEN.

Lieber Franz Kafka,

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am September 10, 2008

Lieber Franz Kafka,

heute möchte ich nun endlich meine Freundschaft zu Ihnen kündigen. Verschonen Sie mich in Zukunft bitte mit Leserbriefen aus dem tiefen Dunklen ihres Grabes und unterlassen Sie Unterstellungen, meine Einträge und literarischen Werke seien apokalyptisch oder depressiv. Schauen Sie sich einmal ihre Niederschriften an. Mit Ihren düsteren Bildern, ihren selbstzerstörerischen Geschichten und Worten bringen Sie MICH immer wieder in tiefe, dunkle Depressionsphasen und lassen mich vor Kälte erstarren. Wissen Sie eigentlich, was ihr Vater über sie dachte? Es ist einfach, immer nur die eine Seite der Münze zu betrachten, aber vielleicht hat auch er solch kalte Worte für Sie gefunden und Sie als Sohn verabscheut, haben Sie darüber einmal nachgedacht?

Unterlassen Sie in Zukunft jegliches Psychogelaber und stören Sie keine weiteren Dialoge. Besuchen Sie keine meiner Seiten mehr und lassen Sie ihren Frust an anderen Menschen aus. Meine Geschichten sind weder depressiv, noch melancholisch noch apokalyptisch, sie sind einfach nur schön, erkennen Sie es endlich an.

Ihre Tiermetaphern sind bei mir geklaut und werden juristische Folgen für Sie haben. Belästigen Sie mich und die Welt nicht weiter mit Ihren Worten.

Glauben Sie mir, ich kann auch ohne Ihre „Werke“ depressiv sein. „

Mit Grüßen.

PS: Ähm, sollten wir nicht doch Freunde sein? Ach kommen Sie, bitte. Ich kann Sie doch irgendwie verstehen, sollen wir uns nicht wieder vertragen? Ich mag sie doch so gern. War doch alles gar nicht so gemeint. Meine Sachen sind natürlich bei weitem nicht so schön wie Ihre, wirklich nicht. Können Sie mir noch einmal verzeihen? Ich fühle mich leer ohne die Verbindung zu Ihnen. Kommen Sie, wir vergessen alles was ich schrieb und fangen ganz von vorne an, gemeinsam gehen wir durch jede Depression und erfreuen uns an einem Leben im Irrenhaus. Geben Sie sich einen Ruck und wir werden die Hölle gemeinsam aufsuchen, zusammen können wir noch depressiver sein, versprochen. Und Sie fühlen sich dort nicht mehr so einsam in Ihrer Welt.

Lieber Franz Kafka,

sind Sie wieder mein Freund? Sonst macht mein Leben keinen Sinn mehr. Bitte. Sonst werde ich mich… Tun sie mir das nicht an.

Vollgeschissen…

Veröffentlicht in Vom Anfang zum Ende und (nicht) wieder zurück, aus dem Leben (gerissen) von ts386 am September 9, 2008

Und plötzlich kommt es von oben. Wie aus heiterem Himmel landen zwei Kleckse auf meinem Körper, dabei zielt das Tier einmal auf meinen Oberarm, einmal trifft es mein Hosenbein. So ein Vogelschiss soll bekanntlich Glück bringen, kommt meiner Meinung nach allerdings viel zu spät. Ob jetzt dadurch noch was zu retten ist? Ich probiere es mal: Habe nur einen ganz banalen Wunsch: Ein neues Leben. Tausche mein altes ein. Freiwillig. Ein Geschenk. Mehr Wünsche habe ich nicht. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Ich warte auf die Glücksfee, die von oben  kommt. Vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig. Schluss jetzt, genug Zeit gehabt.

Seht ihr, es klappt nicht mit dem Glück von oben.

Ein roter Fleck ist auf meinem Arm zu sehen.  Meine Haut reagiert anscheinend allergisch darauf.

Und noch etwas:  Ich reagiere allergisch auf Vögel, die mich unerlaubt voll scheißen.

Um eins klarzustellen: Ich will gar kein Glück! Ich fühle mich doch bekanntlich wohl in diesem Sumpf. Scheißt bitte in Zukunft alte Stühle voll und macht sie glücklich. Ich will euer verschissenes Glück nicht.

Also, noch mal: An alle Vögel dieser Welt:

Ich möchte in Zukunft nicht voll geschissen werden. Sucht euch andere Opfer und beschenkt sie mit euren gütigen Körpersäften. Es soll Menschen geben, die darauf stehen. Und an euer Glück glaube ich auch nicht. Ich weiß nämlich wie ich zu meinem Glück komme. Dafür brauche ich nur die Nachbarskatze von rechts nach links über die Straße scheuchen. So habe ich Glück auf Erden. Euch dort oben brauche ich nicht.

Ich scheiß auf euch.

Steh nun endlich wieder auf….Hörst du?

Veröffentlicht in aus dem Leben (gerissen) von ts386 am September 5, 2008
Tags: ,

Der Wecker klingelt mal wieder.Zunächst ganz sachte, später recht laut tönen die Klänge aus dem Handygerät.Kettcar weckt mich mit den Worten:Hauptsache du glaubst. Ich drücke diese berühmte Schlummertaste und unterdrücke in mir die Stimme die sagt:Steh auf, komm schon, es ist schon spät. Der Tag wird gut, glaub mir. Liebe Stimme in mir, denke ich, hauptsache du glaubst an einen guten Tag.Da scheinst du aber ziemlich allein mit deinem Gefühl zu sein. Ich beende den inneren Dialog und schlafe erneut ein.

9 Minuten später. Wieder Kettcar, wieder Hauptsache Glaube, wieder eine gekonnte Handbewegung. Die innere Stimme schreit immer lauter: Steh auf oder du wirst es nie schaffen, gib dir einen ruck, komm schon, steh wieder auf, es wird sich lohnen.Ich unterdrücke das Gefühl, doch tinitusähnlich verteilt sich die Stimme im ganzen Körper. Ich muss mit ihr sprechen. Ich sage etwas, jedoch ohne es wirklich über meine Lippen zu bringen: Wozu lohnt es sich heute aufzustehen? Was soll der Tag mir bringen? Ich merke eine innere Angst, die den Körper hochsteigt. Ich denke an den gestrigen Tag und stelle fest, dass ich mehrmals tief fiel, ja, in unzählig viele Löcher, Gruben, Krater und Täler. Und ich bin immer wieder aufgestanden. Sollte ich es nicht heute auch wagen? Werde ich es heute auch schaffen, diese Löcher, Gruben, Krater und Täler zu durchdringen, immer wieder aufzustehen? Kann ich sie nicht irgendwie vllt. auch um….

9 Min.Es dröhnt zum dritten Mal Kettcar aus dem Handy…Ich habe die letzten Minuten wie in einem Trancezustand philosophiert, analysiert und gedeutet. Ich drücke erneut auf die bekannte Taste. Immer noch liege ich in meinem Bett und traue mich nicht, die Augen zu öffnen. Die innere Stimme meldet sich erneut zu Wort: Los, komm schon, steh wieder auf. Ich denke nach. Wo kommt die Stimme her, wer ist diese Kreatur? Warum will sie mich zum Aufstehen zwingen, was hat sie eigentlich davon? Ich versuche sie zu ignorieren, leider vergebens. Plötzlich verspüre ich den starken Drang danach, sie näher kennen zu lernen. Ich suche sie auf, versuche mit ihr zu kommunizieren, doch es gelingt mir nicht. Plötzlich ist sie verschwunden, vom Erdboden verschluckt. Ich bekomme Angst. Warum geht sie genau dann, wenn ich mit ihr sprechen möchte? Ich will doch nur ihre Motivationslage kennen lernen, ihre Beweggründe sehen…

Der Wecker geht erneut. Ohne auf die Uhr zu schauen drücke ich zum 4.Mal die Schlummertaste, Kettcar bleibt diesmal hartnäckig und erst nach einigen Sekunden erkenne ich, dass ich die falsche Taste drückte.

Ich denke über die innere Stimme nach. Wo kann sie sitzen? Im Herz, im Kopf, im Blut oder in den Gliedern? Wo werde ich sie finden können? Ich strenge mich an und gehe meinen Körper einzeln durch, keine Spur von der inneren Stimme. Warum verschwindet sie gerade jetzt? Vor wenigen Minuten wollte sie mich noch zum Aufstehen überreden, hat sie nun resigniert und lässt mich regungslos liegen?

Ich denke an den gestrigen Tag zurück. Er war mühsam, stelle ich fest. Immer wieder stand ich auf, kämpfte, kroch über den Boden und verlor stetig an Halt. Immer tiefer versinke ich in den Gedanken meinerselbst und frage mich, wer mich am gestrigen Tage zum Niederknien zwang. Wer ließ mich in die Löcher fallen, wer buddelte neue Hürden und machte mir den Tag durchaus schwer und mühsam? Für kurze Zeit fühle ich mich leer.Erneut diese Fragen: Wer ist diese innere Stimme? Warum zwang sie mich vorhin zum Aufstehen und wo ist sie hin?

Plötzlich beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Energie gelanden reiße ich die Augen auf und setze mich hin. Ich verstehe urplötzlich das Fernbleiben der inneren Stimme, ihr Verschwinden. Sie ist es, die mich immer wieder in die Knie zwingt und fallen lässt, sie verunsichert mich und lässt mich taumeln, sie stellt meine Gedanken auf den Kopf und lässt alles in mir routieren. Und wenige Minuten später zwingt sie einem wieder zum Aufstehen. Ich verspüre plötzlich tiefe Abscheu und Hass und erfreue mich am Fernbleiben der Gestalt in diesen Minuten. Sie ist wie eine Münze, sie hat zwei Seiten. Sie zwingt mich in die knie und später bringt sie mich zum Aufstehen. Und ich tue was sie sagt. Immer wieder falle ich und stehe mühsam auf, immer wieder gräbt sie neue Löcher und zwingt mich anschließend heraus. Ich solle wieder aufstehen, das ist ihr Plädoyer.

Ich merke wie sehr ich ihr hörig geworden bin, ich scheine ihren Taten ausgesetzt zu sein. Nur heute morgen scheint es anders zu laufen. Sie erkannte frühzeitig, dass ich ihren Taten auf die Schliche kommen werde und sie zerstören will und somit machte sie sich rechtzeitig gekonnt aus dem Staub. Tief in mir sitzt sie versteckt und wird mich auch heute immer wieder fallen lassen und zum Aufstehen zwingen.

Der Wecker schellt das fünfte Mal. Kettcar sei Dank. Ich bin froh diese seichte Musik zu hören und danke dem Erfinder des Handys,der es unmöglich macht, dass die Musik pro Weckeinheit immer härter zu werden scheint.Wie furchtbar wäre nun Rammstein? Wie gelähmt liege ich dort und lausche der Musik, stelle den Wecker nicht aus.

Die Suche nach der inneren Stimme gebe ich auf, ich will sie am besten verbannen, sie im Keim ersticken und fertig machen. Gerade noch habe ich mit ihr den Dialog gesucht, jetzt möchte ich allein sein und sie töten. Doch sie ist weiterhin nicht auffindbar. Kettcar spielt immer lauter und vermittelt mir die Botschaft, dass allein der Glaube Berge versetzen kann. Ich wünsche es mir plötzlich so sehr.Ich wünsche mir in diesen Sekunden nur eins: Den Tod meiner inneren Stimme, den Tod eines zwiespältigen Charakters, der mir das Leben täglich und immer wieder zur Hölle macht. Bis heute habe ich immer wieder auf diese Stimme gehört, bin ihr hörig gewesen und erkannte ihre Untaten nicht. Ich will mich von ihr nicht weiter mit Steinen bewerfen lassen, fahr zur Hölle, innere Stimme, wo immer du auch bist, verschwinde aus meinem Leben. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich liegen bleibe und wann ich wieder aufstehe, hörst du….Du darfst es nicht für mich entscheiden.

Der Wecker verstummt. Immer noch liege ich regungslos da und betrachte meinen Körper, wie wahnsinnig geworden schaue ich jede Körperteile einzeln an und hoffe das Biest irgendwo sehen zu können, keine Anzeichen, keine Worte, kein Gar nichts. Ich scheine für einen kurzen Moment frei zu sein. Es sieht so aus, als würde ich die Entscheidung nun selbst treffen dürfen, ob ich aufstehe oder liegen bleibe. Aber im nächsten Atemzug merke ich, dass sie nur verstummt ist, nicht aber fort ist und in mir bleibt, vorerst. Ich versuche mich mit diesem Schicksal abzufinden und greife nach meinem Handy, dass nun ebenfalls verstummt ist.

Ich blicke auf die Uhr und denke an meinen heutigen Termin. Ich springe panisch auf und taumele durch mein Schlafzimmer. Allein schein ich nun aufgestanden zu sein.

Diesmal hast du es allein geschafft, glaube mir, ich werde dich so schnell aber nicht in Ruhe lassen, du kannst deine Entscheidungen noch nicht allein treffen. Ich werde da sein und dich herausfordern. Wenn du mich besiegt hast, hast du deine Krankheit besiegt. Ich werde dich erniedrigen und wieder aufpeppeln…Es wird so weiter gehen. Wenn du es schaffst, dich meinen Anweisungen zu widersetzen, gebe ich mich geschlagen und du und dein Körper gehören dir wieder ganz allein.Kämpfe, es wird sich lohnen. Los. Und nun mach weiter.

Sie war wieder da. Ich falle zu Boden und verspüre leichte Übelkeit in der Magengegend. Ich werde fremdbestimmt, dass ist das schmerzliche Ergebnis an diesem Morgen. 

Mir wird klar, ich will sie besiegen, sie soll fallen und nie wieder aufstehen, diese verdammte innere Stimme.

Ich werde es schaffen, du Biest.Früher oder später bin ich wieder mein eigener Herr. Heute hast du mich wieder ausgetrickst und mir deinen Weg aufgezwängt, aber immerhin habe ich dich schon einmal entlarvt und deine Zwiespältigkeit erkannt, du warst zu unvorsichtig, und glaube mir, der nächste kleine Fehler wird dir zum Verhängnis werden, ich weiß jetzt, wer du wirklich bist.

Ich Glaube. Fest.Kettcar: Ich hoffe mein Glaube kann Berge versetzen. Ich werde kämpfen, ganz bestimmt.

Langsam bewege ich mich ins Bad und springe unter die Dusche. Das Wasser perlt mir den Körper herunter.

Ich bin aufgestanden….

Zahlen . . . und Fakten

Veröffentlicht in aus dem Leben (gerissen) von ts386 am September 4, 2008
Tags: ,

Zwei Tage und so viele Zahlen. Danke an den letzten Sonntag und Montag. Danke an die beteiligte Person

525.03 km

06:15 h

2 Autos

2 Männer

2 Brötchen, 2 Äpfel

1 Glas Wein

2 Cola-Light

75Euro Zugfahrkarte

18 Bahnhöfe

1 Milchkaffee

1 Pizza

1 Fliege

1 80cm-Bett

1 Parkbank

1 Klinik

2 Regenschauer

unendlich viele Städte, Dörfer und Gemeinden

1 Dusche

1 Zahnbürste

3 Unterhosen

1 T-Shirt 

1 Hemd

1 Hose

2 Paar Socken

1 Urologe

5 Ballen Eis  

2 Telefone

0 Tabletten Antidepressiva

1 Liter O-Saft

1 Schuhgeschäft

1 Bücherladen

1 Nudelgericht

viele Gespräche

1 Zimmer

1 Bad

1 Peeling-Shampoo

2 …. (Aussparung an dieser Stelle)

uvm.

Es sollte ein Ausflug sein, ich wollte raus hier und hatte mir etwas schönes vorgenommen, auf dass ich mich unendlich freute. Alles schien durchgeplant: Ein recht neues Auto, ein voller Tank, ein Sonnentag, ein Treffpunkt, 2 Menschen. Ich glaubte mal wieder mir könnte nichts aus dem Ruder geraten und dann….

És kam alles anders. Aus 1 Tag wurden 2, ich war plötzlich Blinder Passagier, Camper und Süchtiger, Bahnfahrer und Einsiedler. 2 Personen und zwei Tage…. Ein großes Chaos.

Irgendwie war es auch schön, klar…. (auf Details soll hier aus personenschutzrechtlichen Dingen verzichtet werden), aber eben….

265€ – die Zahl der Woche.

Danke an die beteiligte Person…. Ich kann dir dafür nicht dankbar genug sein…

Dem restlichen Wirrwarr widme ich besser einem privaten Artikel…. Glauben sie es, es ist für alle Beteiligten besser.